Kommentar

Die BVG-Tarifeinigung sollte der Steuerzahler begleichen

Die BVG-Mitarbeiter bekommen mehr Geld. Das sollte nicht auf die Ticketpreise umgelegt werden, meint Joachim Fahrun.

Für die 14.500 Mitarbeiter der BVG bedeutet der Abschluss eine kräftigen Schluck aus der Pulle, meint Joachim Fahrun.

Für die 14.500 Mitarbeiter der BVG bedeutet der Abschluss eine kräftigen Schluck aus der Pulle, meint Joachim Fahrun.

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Es war eine schwere Geburt, die Tarifeinigung zwischen Verdi und den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG). In einer langen Nachtsitzung fanden beide Seiten dann doch zueinander. Am Ende steht ein klassischer Kompromiss. Die Gewerkschafter verzichten auf die geforderte Arbeitszeitverkürzung, die Arbeitgeber akzeptieren eine kurze Laufzeit von zwei Jahren. Für die 14.500 Mitarbeiter bedeutet der Abschluss eine kräftigen Schluck aus der Pulle.

Weihnachtsgeld steigt von 200 auf 1600 Euro

Mindestens um acht Prozent steigen die Gehälter. Für die Masse der Beschäftigten, die Busse und Bahnen durch Berlin lenken oder das zunehmend marode Material in den Werkstätten zusammenflicken, ist deutlich mehr drin. Die mindestens 350 Euro plus bedeutet für die unteren Gehaltsgruppen einen Anstieg von 17 oder mehr Prozent, das alles gibt es rückwirkend ab Januar 2019. Auch das von 200 auf 1600 Euro steigende Weihnachtsgeld dürfte die BVGler freuen.

Der gesamte Kompromiss kostet das Unternehmen 100 Millionen Euro pro Jahr und liegt damit nur knapp über dem Volumen, welches die Spitzen des Senats den Verhandlungsführern als Spielraum gewährt hatten. Mit den höheren Gehältern hat die BVG bessere Karten, wenn sie um die dringend benötigten Mitarbeiter wirbt oder Beschäftigte halten möchte. Das ist entscheidend für den Ausbau des Angebots im öffentlichen Nahverkehr in Berlin.

Entweder zahlt der Steuerzahler - oder der Kunde

Klar ist aber auch, dass die BVG die zusätzlichen Personalkosten nicht alleine aufbringen kann. Darum ist jetzt der Senat am Zuge. Rot-Rot-Grün muss sehr schnell sagen, ob man die Verkehrsbetriebe mit zusätzlichem Geld unterstützt – oder ob die Kunden über höhere Fahrpreise die höheren Gehälter finanzieren sollen. Verkehrspolitisch wäre die erste Variante wünschenswert. Denn höhere Fahrpreise machen den Nahverkehr unattraktiver. Genau das Gegenteil ist in Berlin notwendig.