Kommentar

Berlin muss Berlin bleiben

Julius Betschka
Julius Betschka, Redakteur

Julius Betschka, Redakteur

Foto: Thomas Schubert/ Reto Klar

Die Stadt der Freiheit lebt von ihrem einzigartigen Flair, sagt Julius Betschka.

Berlin. Der rot-rot-grüne Senat ist stark darin, zu reden und zu wollen. Vieles wird mit Worten wertgeschätzt. Lieblingskind der Koalition: die Kultur- und Partyszene, um die die ganze Welt Berlin beneidet. Reden und machen, sind jedoch – wie so oft – zwei verschiedene Paar Schuhe.

Denn trotz warmer Worte planen Umwelt- und Stadtentwicklungsverwaltung Verordnungen, die Berlins kulturelles Angebot massiv beschränken könnten: vom familiären Kiezfest bis zur wilden Techno-Party. „VeranstLärmVo“, heißt das Zauberwerk der Verwaltungsjuristen. Berlin soll leiser werden.

Es soll nicht falsch verstanden werden: Wer unter Lärm leidet, hat allen Grund, sich zu beschweren. Laute Hauptstraßen, Baulärm oder grölende Touristengruppen schränken die Lebensqualität ein. Auch Clubs und Feste unter freiem Himmel machen Krach – fünf Prozent der Beschwerden gehen auf jenen Lärm zurück.

Senat und Bezirke wollen sich deshalb ermächtigen, diese Lärmquellen einzuschränken. Die Stadt soll leiser werden, die Veranstalter noch mehr Papiere ausfüllen. Was nervig klingt, aber harmlos, hat das Zeug, Berlins Flair zu zerstören – das unfertige, spontane. Das Berlinige.

Gerade die kleinen Kiezfeste, die Partys unter freiem Himmel oder die improvisierte Karaoke-Show im Mauerpark machen Berlin zu dem, was es ist. Sie begründen die internationale Beliebtheit der Stadt, bringen Milliarden ein. Doch die Kleinveranstalter sind ein sensibles Ökosystem, dicke Gewinne fahren die Macher selten ein. Wer sie mit noch mehr Bürokratie belädt, ihnen verbietet, auch mal laut zu drehen, der riskiert, dass sie verschwinden.

Denn Berlin steht vielleicht nicht für Sauberkeit und perfekte Organisation, aber für Freiheit. Sie ist die DNA der Stadt. Man muss sie nicht mit warmen Worten bedenken, sondern erhalten. Damit Berlin Berlin bleibt.