Kommentar

Wer Kinder in die Welt setzt, muss Verantwortung übernehmen

Weil Väter keinen Unterhalt zahlen, muss das Land 126 Millionen Euro Zuschuss zahlen. Jetzt reagiert der Senat endlich.

Hilfe vom Amt sollte nur ausnahmsweise und in Notsituationen in Anspruch genommen werden müssen, meint Jens Anker.

Hilfe vom Amt sollte nur ausnahmsweise und in Notsituationen in Anspruch genommen werden müssen, meint Jens Anker.

Foto: Reto Klar

Berlin. Die Zahl erschreckt: 126 Millionen Euro an Unterhalt schießt das Land Berlin vor, weil ein Elternteil – in den allermeisten Fällen der Vater – seinen Unterhaltspflichten nicht nachkommt. Fast 44.000 Kinder sind in Berlin derzeit auf Leistungen vom Amt angewiesen, damit sie nicht in Armut aufwachsen.

Väter entwickeln eine erstaunliche Fantasie dabei, sich dann arm zu rechnen, wenn es darum geht, ihren beim Ex-Partner lebenden Kindern das nicht zukommen zu lassen, was ihnen zusteht. Viel besser wäre es aber, wenn sie die gleiche Fantasie darauf verwendeten, das Geld aufzutreiben, damit das Amt nicht einspringen muss. Unterhalt ist keine freiwillige Leistung, sondern ein Rechtsanspruch. Dabei würde sicherlich mehr Druck der Behörden helfen. Denn die Verwaltung holt sich derzeit nur einen Bruchteil des Geldes von den säumigen Vätern zurück. Dabei gibt es seit fünf Jahren verbesserte Möglichkeiten, den Schuldnern auf die Schliche zu kommen – bis hin zur Lohnpfändung.

Doch in den Behörden fehlt das Personal, das Problem systematisch und mit Nachdruck zu verfolgen. Wenn der Senat erst jetzt ankündigt, sich professioneller um das Zurückholen des vorgestreckten Geldes zu kümmern, so kommt das reichlich spät, und die Regierenden müssen sich vorwerfen lassen, sich viel zu lange nicht darum bemüht zu haben. Dabei besteht das Problem seit vielen Jahren – und es wird immer größer. Bisherigen Ankündigungen folgte aber nie ein ernsthaftes Handeln. Das ist ärgerlich.

Helfen würde aber auch, wenn Unterhaltsverweigerer stärker in den Fokus gesellschaftlicher Kritik gerieten. Wer Kinder in die Welt setzt, der soll bitte schön auch Verantwortung dafür übernehmen und nicht sowohl die erzieherische als auch die finanzielle Last dem anderen Elternteil aufbürden. Hilfe vom Amt sollte nur ausnahmsweise und in Notsituationen in Anspruch genommen werden müssen.

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