Kommentar

Tod einer Grundschülerin: Aufklärung mit Besonnenheit

Der Tod einer elfjährigen Grundschülerin erfordert nachhaltige Konsequenzen, meint Jens Anker.

Berliner Morgenpost Mitarbeiter:
Jens Anker

Berliner Morgenpost Mitarbeiter: Jens Anker

Foto: Reto Klar

Berlin. Der tragische Todesfall eines elfjährigen Mädchens erschüttert die Öffentlichkeit. Über die Hintergründe ist noch wenig bekannt. Es ist von Mobbing an der Schule die Rede. Die Polizei ermittelt. Elternvertreter kritisieren den Umgang der Schule mit dem Thema, die Schule bestreitet Versäumnisse. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagt Aufklärung zu. Ein Berliner Mobbingcoach kritisiert den Senat und veranstaltet eine Mahnwache vor der betroffenen Schule.

In dieser Situation der Unsicherheit, Unwissenheit und aufgewühlter Emotionen ist es aber umso wichtiger, keine voreiligen Schlüsse und Schuldzuweisungen zu treffen, wie es aber natürlich gleichzeitig auch kein Verschweigen von möglichen Missständen geben darf. Und unabhängig von dem sprachlos machenden Todesfall des Mädchens muss gefragt werden, ob die bestehenden Anstrengungen ausreichen, Fälle von Gewalt oder Mobbing im geschützten Raum Schule aufzuklären – im besten Fall gar nicht erst vorkommen zu lassen.

Dabei greift der Blick allein auf die möglichen Täter und Opfer zu kurz. Denn alle sind beteiligt. Wer wegsieht oder heimlich mitlacht, wer herunterspielt oder überreagiert, wer pauschal in Schutz nimmt oder ausgrenzt, macht sich zu einem Teil eines Gewaltnetzes, dem sich mögliche Opfer schutzlos ausgesetzt sehen – entweder, weil ihre Not nicht erkannt wird, oder weil sie für sachfremde Ziele instrumentalisiert werden und so erneut zum Opfer werden.

Hilfe verspricht nur, mit der notwendigen Konsequenz, Nachhaltigkeit und Besonnenheit jedem einzelnen Verdacht nachzugehen, ihn aufzuklären, die notwendigen Schlüsse daraus zu ziehen und wirksam einzugreifen, um eine respektvolle und offene Atmosphäre zu schaffen, in der Gewalt keine Chance hat.

Mehr zum Thema:

„Man sollte ganz genau hinschauen“

Todesfall an einer Berliner Grundschule

© Berliner Morgenpost 2019 – Alle Rechte vorbehalten.