Gastkommentar

Warum Berlin einen 13. Bezirk braucht

Die Herausforderungen einer wachsenden Stadt müssen im Dialog bewältigt werden. Ein Gastbeitrag vom CDU-Abgeordneten Christian Gräff.

Christian Gräff

Christian Gräff

Foto: picture alliance/imageBROKER/ Die Hoffotografen GmbH Berlin

Viele Berliner nehmen das Wachstum Berlins als Belastung wahr. Egal ob im öffentlichen Personennahverkehr, auf den Straßen oder in vollen Kitas und Schulen, die Berliner sind zu Recht genervt. Aber eins ist sicher, Berlin wird weiter wachsen. Die Globalisierung und die gesellschaftlichen Trends weltweit, gerade bei den jungen Generationen, werden weiter zum Zuzug der Menschen in große Städte führen. Egal ob man dieses Wachstum gut findet oder nicht, es wird weiter stattfinden. Wenn es nicht gestaltet wird, werden die Berliner weiter leiden. Die Diskussion um die Gründung eines neuen Berliner Bezirkes ist deswegen richtig und wichtig und spannend zugleich. Sie macht nämlich erstmals deutlich, welche Herausforderungen mit diesem Wachstum verbunden sind.

Ein 13. Bezirk muss im Vorhinein gedacht und auch gebaut werden. Eine optimale und zukunftsgerichtete Verkehrsanbindung muss da sein, bevor Wohnungen gebaut werden. Kitas und Schulen müssen modern ausgestattet sein. Der Einzelhandel darf nicht mehr nur in abgeschlossenen, überdachten Einkaufscentern stattfinden, sondern in einem offenen Boulevard. Natürlich muss auch Arbeit vor Ort möglich sein. Handwerk und Start-up-Unternehmen an einem Ort unterzubringen, ist die Herausforderung dabei.

Genauso wichtig ist es, dass wir Wohnmodelle für alle Bevölkerungsgruppen in einem solchen Bezirk bauen. Sozialwohnungen genauso wie Mietwohnungen für die Mitte der Gesellschaft und preiswerte Eigentumswohnungen. Die Wohnungsbaugesellschaften müssen genauso beteiligt sein wie Genossenschaften und private Bauherren. Neue Trends mit nachhaltigen Baustoffen und neuen Wohnformen für Studenten und ältere Menschen müssen ebenfalls realisiert werden. Dafür eine internationale Bauausstellung vorzuschalten, Architekten, Stadt- und Verkehrsplaner und Erfinder einzuladen und sich Gedanken darüber zu machen, wie wir in 50 Jahren leben werden, wäre eine Riesenchance für die Stadt.

Wie sehen heute eigentlich Bürgerzentren und Rathäuser aus? Auch hier könnte man völlig neue Wege gehen. Die große Herausforderung ist, diese Entwicklungen gemeinsam mit den Berlinern, aber vor allem mit den Brandenburger Bürgern, den Landkreisen und Gemeinden zu planen und umzusetzen.

Dies kann aber nur im Dialog gelingen, nicht in dem wir den Brandenburgern etwas vor die Nase setzen und sie mit den Problemen der Infrastruktur allein lassen. Ich glaube, es gibt noch viel Platz, an dem wir bauen können. Ob auf dem Tempelhofer Feld oder dem dann ehemaligen Flughafen Tegel. Aber es ist kein „Entweder-oder“. Es muss beides passieren. Wir müssen neue Flächen entwickeln und Baulücken schließen.

Aber wir dürfen die Berlinerinnen und Berliner nicht überfordern. Wachstum muss gestaltet werden. Am Beispiel des Blankenburger Südens ist sichtbar, wie es nicht gehen kann. Den Berlinern vor Ort alle Probleme aufzuladen, vom Verkehr bis zur fehlenden sozialen Infrastruktur, geht nicht.

Und warum ist das alles so wichtig? Weil es zeigt, welche Aufgaben heute schon anstehen, die nicht zusammengedacht werden. Auch deswegen ist die Idee eines neuen Berliner Bezirkes auf Berliner und Brandenburger Gebiet spannend. Vielleicht hilft es uns auch bei den Problemen, die gestern und heute schon da sind und die gelöst werden müssen. Ob der derzeitige Senat den Weitblick und Mut dazu hat, muss er für sich selbst entscheiden. Berlin wird sich auch so weiter entwickeln. Manche Ur-Berliner würden sagen ,,weiter quälen‘‘.

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