Kommentar

Berlin sollte über die Verbeamtung von Lehrern nachdenken

Nur mit mehr Lehrkräften lässt sich die Qualität an Schulen verbessern, meint Ulrich Kraetzer. Eine Verbeamtung darf kein Tabu sein.

Foto: Reto Klar/picture alliance/BM Montage

Berlin. Die Berliner Bildungspolitik ist seit Jahrzehnten von ideologischen Richtungskämpfen geprägt. Soll es ein dreigliedriges Schulsystem sein oder die Gemeinschaftsschule? Lernen Schüler besser im Frontalunterricht oder in Kleingruppen? Brauchen sie Noten oder sollten sie sich ohne Leistungsdruck entfalten können? Bei Neuerungen haben sich die Bildungspolitiker meist an solch „großen Würfen“ abgearbeitet. Die Bilanz ist dürftig.

Denn die Bedingungen sind in Berlin – das sei zugestanden – wegen der vielen Schüler aus bildungsfernen Haushalten zwar schwieriger als in anderen Bundesländern. Dass die Hauptstadt bei Bildungsvergleichen in unschöner Regelmäßigkeit auf den hinteren Plätzen landet, ist dennoch kein Naturgesetz. Sondern ein Armutszeugnis und das Ergebnis einer Politik, die es bei allen vermeintlich „großen Würfen“ versäumt hat, den Laden einfach erst mal am Laufen zu halten.

In anderen Bundesländern werden Lehrer verbeamtet

Nun soll mal wieder alles besser werden. Aber diesmal geht es nicht um den „großen Wurf“ – sondern um ganz Praktisches. Mehr Deutsch und Mathe, mehr Lehrer, mehr Fortbildungen, häufigere Vergleichstests. Die CDU wirft Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) zwar zu Recht vor, dass all das zu spät kommt. Aber immerhin: Es kommt. Wer am Bildungserfolg unserer Kinder interessiert ist, kann das nur begrüßen.

Aber kommen die Maßnahmen wirklich? Das ist ungewiss. Denn um ihre Vorhaben umzusetzen, braucht Scheeres mehr Lehrer. Längst aber kehren viele Lehrer der Hauptstadt den Rücken, weil sie in anderen Bundesländern – anders als in Berlin – verbeamtet werden.

Braucht also auch Berlin eine Verbeamtung, um im Wettbewerb um Lehrkräfte mithalten zu können? Die Stadt muss darüber nachdenken. Anders sind die bildungspolitischen Ziele womöglich nicht umzusetzen. Die Wiedereinführung der Verbeamtung – auch das sei zugestanden – wäre dann allerdings doch wieder ein „großer Wurf“.

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