Kommentar

Kanzleramt-Erweiterung: Das Herzstück fehlt

Isabell Jürgens

Das Bundeskanzleramt muss erweitert werden. Doch das Kernstück des Erweiterungsbaus fehlt, meint unsere Autorin.

Tiergarten. 25 Jahre nachdem die Architekten Axel Schultes und Charlotte Frank das Kanzleramt geplant haben, platzt es aus allen Nähten, die Nutzfläche soll nun verdoppelt werden. Gestalterisch ist das kein Problem, denn der Siegerentwurf der beiden für das „Band des Bundes“ hatte an seinem westlichen Ende ohnehin ein bogenförmiges Gebäude vorgesehen.

Die ersehnte Komplettierung des Gebäudeensem­bles ist der jetzt vorgestellte Erweiterungsbau jedoch nicht. Denn das Herzstück, das zentrale „Bürgerforum“, das die Bauten der Legislative (Parlament) und der Exekutive (Kanzleramt) verbinden sollte, gibt es nach wie vor nicht. Und seit auf Betreiben des Senats die Bauarbeiten für eine Straße begonnen haben, die mitten durch das Forum führt, ist die Vollendung des 900 Meter langen Gebäudekomplexes wohl für sehr lange Zeit unwahrscheinlich geworden.

Schade, denn die verbindende Idee, dass der Souverän, also das Volk, in der Mitte dieser beiden Gebäude einen Platz finden sollte, in den er den Regierenden auf Augenhöhe begegnen kann, hätte der Demokratie gutgetan.

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