Kommentar

Jetzt umsteigen, Herr Müller!

Berlins Regierungschef Michael Müller fährt weiter umweltschädlich. Warum eigentlich, fragt sich Isabell Jürgens.

"Herr Müller, umsteigen!", fordert Isabell Jürgens

"Herr Müller, umsteigen!", fordert Isabell Jürgens

Foto: pa/Reto Klar

Berlins Behörden kaufen künftig umweltfreundlich ein, hat der Senat am Dienstag beschlossen und sich selbst als „bundesweiten Vorreiter bei der umweltfreundlichen Beschaffung“ von Gütern wie Computern, Monitoren, Druckern, Büromöbeln, Krankenhaus-Bettwäsche und Papierhandtüchern gefeiert. In der Auflistung fehlt auch die Erwähnung von umweltfreundlichen Autos nicht. Hier seien vor allem der Fuhrpark der Polizei, der Feuerwehr oder der Verkehrsbetriebe gemeint, erläuterte Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne).

Die Nachfrage der Journalisten nach den Dienstwagen der Senatoren gefiel ihr dagegen nicht ganz so sehr. Bei den Autos der Senatsriege handele es sich doch nur um „die Spitze des Eisbergs“. Immerhin, seit Kurzem würden immerhin vier der zehn Berliner Senatoren einen Hybridwagen fahren, ergänzte sie.

Eilig hat es die Regierungsmannschaft offensichtlich nicht, in der Hauptstadt mit gutem Beispiel voranzugehen. Denn die größte Dreckschleuder fährt nach wie vor ausgerechnet der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD). Bereits im vergangenen Sommer hatte die Deutsche Umwelthilfe fesgestellt, dass Müllers Mercedes-Benz S-Guard 600 Limousine mit 408 Gramm CO2 pro Kilometer der umweltschädlichste Wagen aller Länderchefs ist. Darauf angesprochen hatte Müller im August gelobt, dass er sich nach einer umweltschonenderen Lösung umschauen wolle.

Offenbar bislang ohne Ergebnis: Nach Angaben von Senatssprecherin Claudia Sünder läuft die Suche nach Alternativen noch immer. Ein Modellwechsel sei voraussichtlich zum Jahresende möglich. Vielleicht sollte sich Müller einfach mal im eigenen Haus umsehen. So stößt der Plug-in-Hybrid VW Passat GTE seiner Umweltsenatorin mit nur 164 Gramm aus – laut Umwelthilfe der niedrigste CO2-Wert aller Umweltminister. Also keine faulen Ausreden, Herr Müller: Umsteigen!

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