Kommentar

Qualität statt Quantität bei der Polizei

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Alexander Dinger

Wer sich nicht an Regeln hält, darf kein Polizist werden, meint Alexander Dinger.

Berlin. Ohne Sicherheit gibt es keine Freiheit. Polizisten haben einen der wichtigsten Berufe überhaupt. Niemand hat mehr Befugnisse, nur wenige tragen ähnlich große Verantwortung. Die Polizei setzt geltendes Recht durch - auch gegen Widerstände. In letzter Konsequenz entscheiden die Beamten sogar über Leben und Tod. Auswahlverfahren für diesen Beruf müssen also hart, die Ausbildung schwierig sein. Wer sich nicht an Regeln hält, braucht keine besondere Betreuung, sondern darf schlicht kein Polizist werden. Das steht allerdings im Widerspruch zu dem enormen Personalbedarf, den die Behörde hat. Bis 2021 sollen in Berlin wieder 18.000 Vollzugsbeamte auf der Straße sein. Die Polizeiakademie ist schon jetzt ausgebucht. Für noch mehr Azubis gibt es kaum Raum und Lehrkräfte.

Immer wieder produzierten Auszubildende in den vergangenen Monaten aber Schlagzeilen. Zuletzt lud ein Polizeianwärter Videos auf der Internetseite Youtube hoch, in denen er erklärte, wie er eine große Kaffeehaus-Kette um die Einnahmen betrügt. Nach außen kommentiert die Behörde kühl, dass man ermittelt. Intern war kurz vor Weihnachten, als das Video die Polizeiführung erreichte, die Verärgerung allerdings groß. Denn gerade war es etwas ruhiger um die Akademie geworden.

Es ist daher richtig, wenn die neue Chefin der Polizeiakademie, Tanja Knapp, sagt, dass es mehr Regeln braucht. Denn diese Regeln, die wie das morgendliche Antreten auch aus kleinen Ritualen bestehen können, sind der Kitt, der diese große Behörde mit all ihren unterschiedlichen Mitarbeitern zusammenhält. Wer diese Regeln missachtet, muss mit Konsequenzen rechnen. Polizei-Azubis, die Straftaten begehen, muss es noch härter treffen. Diese Schüler brauchen keine Sozialarbeiter, sondern ihre Entlassungspapiere und ein Ermittlungsverfahren. Wer einfachste Grundregeln nicht versteht, sollte später keine Waffe tragen dürfen.

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