Kommentar

Ein unwürdiger Umgang

Der Staatssekretär Kirchner ist erkrankt. Senatorin Günther will ihn entlassen. Christine Richter ist über Günthers Verhalten empört.

Christine Richter, Chefredakteurin der Berliner Morgenpost

Christine Richter, Chefredakteurin der Berliner Morgenpost

Foto: Maurizio Gambarini/Reto Klar

Es ist wohl ein einmaliger Vorgang im Berliner Senat: Die Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für die Grünen) will ihren Verkehrsstaatssekretär Jens-Holger Kirchner (Grüne) entlassen. Weil Kirchner, der an Darmkrebs erkrankt ist, seit Wochen fehlt, weil in der Verkehrspolitik so viel zu tun sei und viele Sachen wie beispielsweise bei der Verkehrslenkung liegen blieben. Am kommenden Dienstag soll der Senat auf Vorlage von Günther beschließen, dass Kirchner in den Ruhestand versetzt wird. Die Empörung über Günther ist nun groß – und dies völlig zu recht.

Es ist menschlich unanständig, einen krebskranken Mitarbeiter zu entlassen. Und Regine Günther zeigt damit auch ihre Führungsschwäche. Sicherlich gibt es viel zu tun in der Verkehrspolitik, sicherlich kommen Themen, wenn der wichtigste Mann in der Verwaltung lange krank ist, langsamer voran. Aber dann kann man doch eine andere Lösung in einem solch großen Haus – in der Senatsverwaltung für Verkehr und Umwelt arbeiten rund 1300 Menschen – finden. Einen Mitarbeiter, der an Krebs erkrankt ist, der sich durch Chemotherapien kämpft und gerne weiterarbeiten will, den schmeißt man nicht raus. Niemals.

Mich empört in diesem Fall nicht nur Günthers Verhalten. Mich empört auch, dass niemand die parteilose Politikerin, die von den Grünen in den Senat geschickt wurde, gestoppt hat. Weder die Grünen mit ihrem ganzen Führungspersonal von Wirtschaftssenatorin Ramona Pop bis zu den Grünen-Fraktionschefinnen oder dem Grünen-Landesvorstand, noch die Senatskanzlei oder andere Führungskräfte in diesem rot-rot-grünen Senat. Alles Vertreter von Parteien, die immer ganz vorne mit dabei sind, wenn es um Themen wie Menschlichkeit oder Umgang mit Mitarbeitern in Unternehmen geht – richtigerweise übrigens. Im Fall Kirchner aber zählt das alles nicht. Es ist einfach nur erbärmlich.

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