Kommentar

Im Kampf gegen die Clans kann man von Neukölln lernen

Der Bezirk Neukölln macht im Kampf gegen kriminelle Clans vieles richtig, sagt Alexander Dinger. Denn dabei ist Kreativität gefragt.

Neukölln entwickelt sich zur Blaupause im Kampf gegen die Organisierte Kriminalität, sagt Alexander Dinger

Neukölln entwickelt sich zur Blaupause im Kampf gegen die Organisierte Kriminalität, sagt Alexander Dinger

Foto: pa/Reto Klar

Berlin. Wenn außerhalb von Berlin der Name Neukölln fällt, hat jeder eine Horror-Geschichte auf Lager. Ob Gewalt am Hermannplatz, Dealer in der U8 oder Clanrivalitäten an der Sonnenallee – auch wer es selbst nicht erlebt hat, kommt gern mit einer Meinung um die Ecke. Neukölln als Synonym für das Versagen des Rechtsstaates. Dabei macht der Bezirk gerade viel richtig und entwickelt sich zu einer Blaupause im Kampf gegen die organisierte Kriminalität.

Warum? Neukölln ist in der Not kreativ geworden. Wenn das Bezirksamt hier zu regelmäßigen Großeinsätzen ausrückt, führen Polizei, Zollfahndung, Staatsanwaltschaft, Ordnungsamt und Jugendamt schon mal gemeinsam Kon-trollen durch. Die Taktik ist ganz einfach: Organisierte Kriminalität will Ruhe, doch die gönnt der Bezirk den Unterwelt-Größen nicht. So kann es sein, dass einschlägige Lokale oder Shisha-Bars wöchentlich Besuch bekommen. Der Staat ist im Kampf gegen die Organisierte Kriminalität nicht immer der Gewinner. Aber er ist stärker und vor allem ausdauernder. In Deutschland ist schließlich so gut wie nie alles in Ordnung. Irgendwas ist immer.

Was das heißt, zeigt das Beispiel eines Imbissbetreibers, dessen Lokal kürzlich geschlossen wurde. Der Imbiss gehörte zu einer bekannten Großfamilie. Obwohl kaum Gäste, sollen dort Zehntausende Euro umgesetzt worden sein. Der Verdacht der Behörden: In solchen Läden wird Geld gewaschen. Außerdem galt der Laden und die nähere Umgebung als Drogen-Umschlagplatz. Dem Bezirksamt war der Imbiss schon lange ein Dorn im Auge. Letztendlich war es der Denkmalschutz, den das Amt heranzog, um den Laden zu schließen.

Wer sich im Bezirk umschaut, hört immer wieder, dass man im Kampf gegen organisierte Kriminalität eben erfinderisch sein müsse. Wenn es danach geht, ist Neukölln gerade das Kreativlabor Deutschlands. Und das gefällt den Kriminellen gar nicht.

Mehr zum Thema:

Berlin soll Abwehrzentrum gegen kriminelle Clans bekommen

Behörden arbeiten bei Clan-Kriminalität enger zusammen

So sieht die abgeschottete Welt der Clans aus

Polizei nimmt kriminelle Clans ins Visier

"Das ganze Dorf lebt vom Geld aus Deutschland"

Der Kampf gegen die Clans

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.