CDU

Benteles Sieg ist auch für Grütters eine Niederlage

Berlins CDU wählt Hildegard Bentele zur Spitzenkandidatn für Europa. Das beschädigt auch Grütters, meint Jens Anker.

Berliner Morgenpost Mitarbeiter:
Jens Anker

Berliner Morgenpost Mitarbeiter: Jens Anker

Foto: Reto Klar

Berlin. So hatte sich das Berlins CDU-Chefin Monika Grütters sicher nicht gedacht: In ihrer Begrüßungsrede hatte sie vor den mehr als 200 Landesvertretern der Berliner CDU vom Ende der Ära Merkel gesprochen und dass der angekündigte Rückzug der Parteivorsitzenden neue Chancen für die Union biete. Wenig später setzten die Landesvertreter das sogleich in die Tat um und versenkten den von Grütters auserkorenen Spitzenkandidaten für die Europawahl. Statt, wie vorgesehen, mit Carsten Spallek geht die Berliner CDU nun mit der Bildungspolitikerin Hildegard Bentele in die Europawahl. Sie hatte am Sonnabendmorgen überraschend ihre Kandidatur erklärt – und sich deutlich durchgesetzt.

Damit hat die Parteibasis das alte Funktionärsdenken bei den Berliner Christdemokraten abgestraft, und die Landesvorsitzende Monika Grütters geht beschädigt aus dem Votum gegen Spallek hervor. Denn nur einen Tag zuvor hatten sich Grütters und der Landesvorstand einstimmig für Spallek ausgesprochen. Er und seine Unterstützer hatten sich auf ihr Wort verlassen. Doch der in wochenlanger Hinterzimmerpolitik ausgehandelte Kandidat fiel bei den Landesvertretern durch. Stattdessen wählten sie die besser geeignete Kandidatin Bentele, die sich als Di­plomatin im Auswärtigen Amt auf internationaler Ebene auskennt.

Das Signal der Basis zeigt, dass die CDU-Mitglieder keine Lust mehr darauf haben, sich Kandidaten vorsetzen zu lassen. Traditionell werden wichtige Personalfragen in der Berliner CDU nach einer komplizierten, von außen undurchschaubaren Parteiarithmetik ausgekungelt. In diesem Fall sollte mit Spallek auch der gerade abgelöste Fraktionsgeschäftsführer Sven Rissmann aus Berlin nach Europa wegbefördert werden. Auch das ist nun nicht mehr möglich. Es wäre wünschenswert, wenn mit dem Ende der Ära Merkel auch die Hinterzimmerpolitik als Auslaufmodell erkannt wird.

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