Kommentar

Transparenz im Daten-Dschungel

Die Behörden sollten ihre vielen Informationen offen legen, findet Joachim Fahrun.

Joachim Fahrun

Joachim Fahrun

Foto: Reto Klar

Daten seien das neue Gold, heißt es ja immer. Aber nicht nur die Internet-Giganten haben Zugriff auf unzählige Informationen. Über eine Stadt weiß vor allem die Stadt selbst Bescheid. Behörden kennen die Altersstruktur ihrer Bürger, ihre Einkommensverhältnisse, die Familiengröße, sie sind im Bilde über Firmengründungen, Gebäude, Grünflächen, Ausgaben für Schule, über Bebauungspläne und Verkehrsströme und auch darüber, wie viel Geld wer zu welchem Zweck von der Stadt bekommt.

Die meisten dieser Daten sind ökonomisch und aus Sicht der Stadtgesellschaft totes Kapital. Sie werden zwar irgendwo gesammelt und aufbewahrt, aber so richtig genutzt werden sie noch viel zu selten. Dabei ließen sich aus vielen dieser Daten Rückschlüsse ziehen, mit denen sich das Leben der Bürger verbessern und vielleicht auch Geschäftsideen realisieren ließen.

Berlin leistet sich zwar ein so genanntes Open-Data-Portal, das allmählich wächst. Aber was dort von wem eingestellt wird, unterliegt dann doch eher dem Zufallsprinzip. Umso höher ist zu bewerten, was die Technologiestiftung Berlin nun für einen wesentlichen Teil des Berliner Haushaltes gemacht hat. Durch eine Online-Anwendung ist nun leicht nachvollziehbar, welcher Empfänger warum wie viele Zuwendungen von Senatsressorts oder Bezirksämtern bekommen hat. In einen wichtigen Bereich der Politik kommt so mehr Transparenz. Und für Bürger oder Unternehmen gibt es weitere Hinweise darauf, was man mit den vielen Daten der Stadt so alles anfangen könnte. Finnlands Hauptstadt Helsinki verfolgt offensiv die Strategie, Daten aufzuarbeiten und zugänglich zu machen. Berlins Politik und Verwaltung sollten ihr latentes Misstrauen gegen die Bürger aufgeben und auf diesem Weg weiter voran gehen. An kreativen potenziellen Nutzern sollte es in der Start-Up-Metropole nicht mangeln.

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