Kommentar

Verdi-Chefin hört auf: Ein Wechsel als Chance

Der künftige Verdi-Chef muss viele Probleme lösen, sagt Florian Schmidt.

Florian Schmidt, Redakteur

Florian Schmidt, Redakteur

Foto: Reto Klar

Ein bisschen ist es wie mit Rüdiger Grube. Als der frühere Vorstandsboss der Deutschen Bahn seinen Chefsessel aufgab, titelte eine große Zeitung „Bahnchef bekommt seinen Vornamen zurück“. Ähnlich wird es nun Susanne Stumpenhusen gehen: Nach bald 18 Jahren tritt sie nicht erneut für die Leitung der Berliner Dependance der Gewerkschaft Verdi an, auch bei ihr wurde der Titel „Verdi-Chefin“ oft in einem Atemzug mit ihrem Nachnamen genannt.

Damit ist im Februar Schluss, des Alters wegen. Stumpenhusen hat den Berliner Gewerkschaftsableger aufgebaut, sie hat sich verdient gemacht um die Beschäftigten, die sie vertritt – nicht nur jene im öffentlichen Dienst, der Branche, aus der sie ursprünglich kam. Ihr Abgang ist für Verdi ein Verlust. Gleichwohl bietet er auch eine Chance auf Erneuerung. Denn die Herausforderungen, vor denen Verdi steht, sind groß, ihr designierte Nachfolger Frank Wolf hat viele Baustellen vor sich.

Da ist zunächst die notwendige Umstrukturierung der Gewerkschaft. Ursprünglich hervorgegangen aus fünf Interessenvertretungen hat Verdi bis heute eine weit verzweigte Organisationsstruktur mit insgesamt 13 Fachbereichen. Die soll künftig schlanker werden, doch der Gegenwind aus den eigenen Reihen ist schon jetzt groß. Ferner muss Wolf Antworten finden auf die Fragen, die gerade in Berlin mit der Digitalisierung einhergehen: In der Hauptstadt wächst der Dienstleistungssektor vor allem durch die Vielzahl von Start-ups. Deren Mitarbeiter müssten eigentlich die neue Zielgruppe von Verdi sein, doch das Interesse der Arbeitnehmer ist kaum gegeben.

Das liegt vor allem an einem dritten Problem: der Altersstruktur der Gewerkschaft, denn ein großer Teil der Mitglieder ist schon im Rentenalter. Junge Arbeitnehmer aber haben andere Bedürfnisse. Sie verlangen nicht mehr nach einheitlichen Tariflöhnen und Arbeitszeitbeschränkungen, fordern eher Flexibilität. Will Verdi Erfolg haben, muss Wolf für einen Wandel sorgen und attraktive Angebote für Jüngere schaffen.

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