Kommentar

Deutschlandtakt: Reisende sollten sich nicht zu früh freuen

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Wolfgang Mulke
Bis 2030 soll alle halbe Stunde ein Zug pünktlich zwischen den großen deutschen Städten fahren. Das Vorhaben ist ambitioniert.

Bis 2030 soll alle halbe Stunde ein Zug pünktlich zwischen den großen deutschen Städten fahren. Das Vorhaben ist ambitioniert.

Foto: Christin Klose / dpa-tmn

Dass der Bund eine Idee für die Zukunft des Bahnverkehrs entwickelt, ist richtig. Für die Umsetzung braucht es aber mehr Engagement.

Berlin.  Die Idee ist ebenso einfach wie schön. Zwischen den großen Städten fährt alle halbe Stunde pünktlich ein Zug. Die kleinen Städte werden stündlich an die Knotenpunkte angebunden. Der Fernverkehr auf der Schiene bedient wieder alle größeren Städte und alles rollt zuverlässig.

So sieht der Deutschlandtakt aus, den Gutachter für Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) entwickelt haben. Angesichts der vielen Baustellen im Schienenverkehr erscheint der Deutschlandtakt allerdings eher als tolles Luftschloss, als reines Wunschdenken.

Investitionen müssten deutlich erhöht werden

Es müssten teure Neubaustrecken geplant und finanziert werden. Auch die Verdoppelung der Gleise auf manchen Trassenabschnitten erfordert lange Planungsvorläufe und viel Geld. Dabei reichen Geld und Baukapazitäten bereits heute nicht einmal zur überfälligen Sanierung des bestehenden Netzes.

Dazu kommen Engpässe, etwa an den nicht mehr ausbaufähigen Hauptbahnhöfen in Hamburg und Köln, die das schöne Konzept zu Fall bringen könnten. Allzu viel Vorfreude auf moderne Zeiten sollten Bahnfahrer also erst einmal nicht haben.

Wie unpünktlich ist die Deutsche Bahn wirklich?
Wie unpünktlich ist die Deutsche Bahn wirklich?

Große Koalition hält es eher mit Auto und Lkw

Dennoch ist es richtig, für den Schienenverkehr eine tragfähige Zukunftsvision zu entwickeln. Es ist nicht so wichtig, ob der Deutschlandtakt schon im Jahr 2030 komplett eingeführt wird oder erst viel später und häppchenweise. Viel wichtiger sind stetige Investitionen in die Infrastruktur, um das Netz endlich auf Vordermann zu bringen und mit digitaler Technik zukunftsfähig zu machen.

Die große Koalition zeigt hier deutlich mehr Bereitschaft als alle ihre Vorgänger. Doch ein Blick auf das bereitgestellte Geld lässt erahnen, dass sie es doch eher mit dem Auto und dem Lkw hält. Von den Gesamtinvestitionen des Verkehrswegeplans, immerhin 273 Milliarden Euro, fließen nur 112 Milliarden Euro in die Schiene.