Kommentar

Neues Obdachlosen-Projekt: Gute Idee droht zu scheitern

Es ist zweifelhaft, ob Hausbesitzer an Obdachlose vermieten, meint Florian Schmidt.

Redakteur Florian Schmidt

Redakteur Florian Schmidt

In der Theorie klingt die Idee hervorragend, die praktische Umsetzung wirft aber Fragen auf: Berlin will Obdachlosen bedingungslos in eigenen Wohnungen unterbringen. Unabhängig davon, ob sie etwa einen Drogenentzug machen, Maßnahmen zur Entschuldung ergreifen oder sich in psychologische Behandlung begeben. Der Ansatz, den Menschen erst ein Dach über dem Kopf zu bieten, damit sie anschließend freiwillig entscheiden, welche Hilfen sie in Anspruch nehmen, ist gut. Die zentrale Frage aber bleibt ungeklärt: Woher sollen die Wohnungen kommen?

Die sozialen Träger, die das Pilotprojekt des Senats umsetzen, bauen auf private Vermieter, wollen etwa unter Mitgliedern von Kirchengemeinden dafür werben. Zweifel über die Regelmäßigkeit von Mietzahlungen werden dabei das geringste Problem sein, die Kosten übernehmen die Jobcenter. Fraglich ist aber, ob Hausbesitzer ein grundsätzliches Interesse daran haben, Menschen von der Straße in ihre Wohnungen einziehen zu lassen. Zu groß ist die Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt, zu leicht können sich Vermieter ihre Mieter aussuchen. Schon Studenten wirken dabei auf manchen zu unzuverlässig, sodass der Zuschlag lieber einem jungen Paar gegeben wird. Obdachlose werden kaum bessere Chancen haben.

Aufhorchen lassen sollte auch, dass die städtischen Wohnungsbaugesellschaften nicht mitmachen wollen. Sicherlich, auch dort stehen Tausende Schlange für eigene vier Wände. Dennoch: Es handelt sich zunächst lediglich um 80 Wohnungen in den kommenden drei Jahren. Eigentlich ein Klacks für die kommunalen Berliner Wohnungsbauer. Umso mehr macht da nachdenklich, dass Degewo, Gewobag und Co. nicht mit an Bord sind. Man fragt sich: Wenn schon die öffentlichen Vermieter nicht dabei sind, warum sollten es dann die privaten sein?

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