Kommentar

Sicherheit hat höchste Priorität

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Die Berliner Kliniken brauchen ein neues Konzept, meint Redakteur Alexander Dinger.

Mitten in der Hauptstadt kann der Krankenhausbetrieb empfindlich gestört werden. Einfach so. Dabei ist es egal, ob sich Angehörige einer Großfamilie vor dem Franklin-Klinikum in Steglitz versammeln, Männer bei einer mutmaßlichen Beziehungstat in der Auguste-Viktoria-Klinik in Schöneberg aufeinander einstechen oder Mitarbeiter im Klinikum am Urban in Kreuzberg mit einer permanenten Bedrohung leben müssen. Wenn es eine Null-Toleranz-Politik braucht, dann hier.

Wie kann es sein, dass es in Berlin für Krankenhäuser keine einheitlichen Sicherheitskonzepte gibt und die eine Verwaltung auf die andere zeigt und alles irgendwie im Sumpf der Zuständigkeiten untergeht? Es ist eine Ungeheuerlichkeit, dass Sanitäter gebeten werden, ein anderes Krankenhaus anzufahren, weil wie in Steglitz ein paar junge Männer ihre Emotionen nicht im Griff haben. In Schöneberg konnte ein Besucher nicht zu seiner schwangeren Frau vorgelassen werden, weil zwei Kontrahenten in dem Krankenhaus aufeinander einstachen. Dass so etwas möglich ist, liegt auch daran, dass es keine einheitlichen Sicherheitsstandards in den Berliner Kliniken gibt. Wie die aussehen könnten, muss dringend diskutiert werden. Mehr Mitarbeiter, Sicherheitstüren, Panikknöpfe, Videokameras – es gibt viele Möglichkeiten, über die man aber sprechen muss.

Wer mit Sanitätern, Schwestern und Ärzten redet, hört unterschiedlich drastische Schilderungen aus den einzelnen Kliniken. In der Woche läuft es meistens ganz ruhig ab, am Wochenende herrscht oft Ausnahmezustand. Eine Erzählung trifft aber ausnahmslos auf alle Häuser zu: Heute muss weniger Personal mehr Aufgaben stemmen. Es ist dieselbe Erzählung, die auch auf die Feuerwehr und die Polizei zutrifft. Wer bei kritischer Infrastruktur am Personal spart, bezahlt irgendwann die Rechnung. Und die ist bislang immer höher als die vermeintliche Einsparung ausgefallen.

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