Kommentar

Vorbild: Kampf gegen Hooligans

Nur energisches Vorgehen kann Clan-Kriminalität stoppen, findet Jens Anker.

Berliner Morgenpost Mitarbeiter: Jens Anker

Berliner Morgenpost Mitarbeiter: Jens Anker

Foto: Reto Klar

Es ist jetzt mehr als 20 Jahre her, dass kriminelle Clans anfingen, in Berlin systematisch das Recht zu unterwandern und sich durch organisierte Kriminalität massiv zu bereichern. Mit Gewalt im Rotlichtmilieu und Drogenhandel fing es an, mittlerweile sind andere Kriminalitätsfelder dazugekommen. Vielleicht nicht ganz tatenlos, aber oft ohnmächtig haben die Ermittlungsbehörden diesem Phänomen lange zugeschaut. Die Einsicht, jetzt mit vereinten Kräften dagegen vorzugehen, kommt deshalb reichlich spät, vielleicht für einige Clans sogar schon zu spät, weil sie ihre illegal erworbenen Vermögen längst ins Ausland geschafft oder durch Geldwäsche legalisiert haben.

Verschärft dagegen vorzugehen, ist also überfällig. Dabei hilft dem Senat ein im vergangenen Jahr verabschiedetes Gesetz, das es den Behörden erleichtert, die Vermögen Krimineller zu beschlagnahmen, wenn vernünftige Zweifel daran bestehen, dass sie legal angehäuft wurden. Nur so besteht die Chance, das Treiben der Clans einzudämmen – denn allein die Androhung langer Haftstrafen schreckt sie nicht ab. Außerdem kommt es darauf an, viel energischer als bislang die Strukturen dieser organisierten Kriminalität zu zerschlagen. Denn der Nachwuchs dieser wenigen Großfamilien wächst wie selbstverständlich in die Milieus hinein.

Dass das erfolgreich sein kann, zeigt ein Beispiel, das ebenfalls in den 90er-Jahren seinen Anfang nahm. Damals begannen Fußballhooligans sich in Türstehermilieu und Drogenhandel auszubreiten. Sie entwickelten bedrohliche Strukturen der organisierten Kriminalität. Aus Angst vor Krawallen vor oder während der Fußball-WM in Deutschland 2006 begannen die Behörden damals, diese Szene systematisch zu verfolgen – teilweise bis ins Ausland – und zu zerschlagen. Mit Erfolg. Hooligans haben in Berlin weitgehend an Bedeutung verloren. Das sollte den Behörden als Vorbild dienen.

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