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Kommentar

Woidkes Kritik an der Bahn verschleiert eigene Versäumnisse

Beim Nahverkehrsangebot haben Politiker in Berlin und Brandenburg die Entwicklung verschlafen, meint Thomas Fülling.

Der Regionalexpress RE 1 (Archivbild)

Foto: Patrick Pleul / dpa

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Berlin/Potsdam. Der akute Mangel ist jeden Morgen im Regionalexpress oder in der S-Bahn zu erleben. In den Wagen gibt es kaum freie Sitzplätze, wenig Platz für Fahrräder und Kinderwagen, und auch die Taktdichte, also der Zeitabstand zwischen zwei Zügen, ist häufig viel zu lang. Nicht nur beim Bau von Wohnungen und Schulen, auch beim Nahverkehrsangebot haben Politiker in Berlin und Brandenburg die Bevölkerungsentwicklung in der Hauptstadtregion der letzten Jahre fast komplett verschlafen.

So gesehen ist es begrüßenswert, dass jetzt auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke die Verkehrsprobleme speziell im Umland erkennt. Den Schwarzen Peter für den schleppenden Ausbau neuer Gleisverbindungen nun kurzerhand der Bahn zuzuschieben, ist ein Jahr vor der Landtagswahl zwar nachvollziehbar, verschleiert aber eigene Versäumnisse. Hatten sich doch gerade Brandenburgs Landesregierungen in der Vergangenheit mit der Abbestellung von Bahnverkehr hervorgetan. Und der heute das Agrarressort führende Sozialdemokrat Jörg Vogelsänger hatte einst als Verkehrsminister verkündet, unter seiner Ägide werde es keinesfalls neue S-Bahnstrecken geben.

Nun hat in Brandenburg endlich ein Umdenken eingesetzt. Pendler, die in Brandenburg leben (und dort auch Steuern zahlen), aber in Berlin arbeiten, werden nicht nur als notwendiges Übel, sondern als ernst zu nehmende Bevölkerungsgruppe erkannt. Daher ist es schon ein Quantensprung, mit dem Infrastrukturprogramm „i2030“ die Probleme gemeinsam mit Berlin und der Bahn angehen zu wollen. Doch nun müssen endlich konkrete Entscheidungen her. Etwa zur Verlängerung der S-Bahn nach Falkensee, Rangsdorf oder Velten, zur Ertüchtigung der Kremmener Bahn im Bereich Tegel oder zum Wiederaufbau der Stammbahn nach Potsdam. Angesichts der langen Planungszeiten ist da jetzt mehr Tempo gefragt, nicht allein von der Bahn.

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