Kommentar

Parteien im Aufwind: Werbung bei jungen Menschen ist wichtig

Die Parteien in Berlin verzeichnen einen Mitgliederzuwachs. Sie dürfen sich davon aber nicht blenden lassen, sagt Dominik Bath.

Das ist bemerkenswert: Die Basis der Parteien wächst wieder. Fast alle Berliner Landesverbände haben in den vergangenen zwei Jahren einen deutlichen Mitgliederzuwachs verzeichnen können. Vor allem die Grünen und die Sozialdemokraten legten in Berlin zu. Nur die Mitgliederentwicklung der CDU sta­gnierte nahezu. Das Schicksal der Christdemokraten kann dabei auch als Mahnung an die anderen Parteien gelten: Dass die CDU-Mitgliedschaft nicht wuchs, liegt auch an der Altersstruktur der Partei. Langjährige Mitglieder sterben oder sind ausgetreten, der Nachwuchs hingegen ist rar.

Für die politischen Parteien wird es in den kommenden Jahren vor allem darum gehen, junge Menschen von ihren Ideen und Themen zu begeistern. Dabei besteht noch Nachholbedarf: In allen Parteien sind Menschen unter 30 Jahren in der Minderheit. Dabei müsste es gerade den Berliner Landesverbänden im Vergleich zu anderen leichter fallen, mit jungen Menschen in Kontakt zu treten. Denn Berlin gilt als jung und hip, kaum eine andere deutsche Stadt ist bei jungen Erwachsenen als Wohnort begehrter.

Das zeigen die Zuzugszahlen der letzten Jahre. Allerdings nimmt die Konkurrenz für die Parteien zu. Zeiten, in denen die Menschen in der Politik Karriere machen mussten, um etwas zu bewegen, sind vorbei. Heute stehen vielmehr kurzfristige Bürgerinitiativen im Fokus, um ergebnisorientiert Dinge in die Tat umzusetzen.

Die Berliner Parteien dürfen sich vom jüngsten Mitgliederzuwachs also nicht blenden lassen: Bei der SPD etwa sorgte erst der Kanzlerkandidat Martin Schulz für einen Schub von Neueintritten, dann das Mitgliedervotum zur großen Koalition. Andere Parteien zogen Mitglieder an, weil sie sich klar gegen den zunehmenden Rechtspopulismus stellten.

Doch damit das Wachstum weitergeht, muss für die Parteien in nächster Zeit vor allem ein Ziel im Fokus stehen: die Distanz zu den jungen Menschen weiter abzubauen.

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