Kommentar

Rekordsommer legt Schwächen der Bäder-Betriebe offen

Die Freibäder arbeiten am Limit, es drohen Havarien, es fehlt Personal, um den Andrang zu meistern, beobachtet Joachim Fahrun.

Joachim Fahrun

Joachim Fahrun

Foto: Reto Klar

Berlin. Die Wasserbecken der Freibäder sind bei konstanten Backofentemperaturen gerade für Bewohner der aufgeheizten Innenstadt wahre Sehnsuchtsorte. Kein Wunder also, dass der Endlos-Sommer 2018 den Bäder-Betrieben Rekordzahlen beschert. Schon vor dem August passierten an den 17 Bädern des Landesbetriebes mehr Gäste die Eingangskontrollen als im gesamten Regensommer des Vorjahres. Sogar der Allzeit-Rekord des Sommers 2003 mit mehr als zwei Millionen Badegästen scheint erreichbar. Für die krisengeschüttelten Berliner Bäder-Betriebe ist der Ansturm Segen und Fluch zugleich. Die Eintrittsgelder der Hitzegeplagten werden die Jahresbilanz der Anstalt öffentlichen Rechtes aufhübschen.

Der Rekordsommer legt aber auch die Schwächen der Bäder-Betriebe offen. Die Anlagen arbeiten am Limit, es drohen Havarien wie neulich im Sommerbad Pankow, das mitten an einem heißen Sonntag geräumt werden musste. Auch fehlt Personal, um den Andrang zu meistern. Dass viele Sommerbäder erst öffneten, nachdem die Menschen schon einige heiße Wochen ohne Abkühlungsmöglichkeit durchlebt hatten, ist schon fast vergessen.

Die Bäder-Betriebe stehen unter verschärfter Beobachtung der Politik. Senat und Abgeordnete sind unzufrieden. Zu wenig zahlt sich der gestiegene finanzielle Einsatz des Landes in Zufriedenheit der Bürger aus. Mehr Geld bei weniger Leistung, das will eine ganz große Koalition im Abgeordnetenhaus nicht länger hinnehmen. Im September müssen die Bäderchefs im Abgeordnetenhaus darlegen, wie sie ihren Betrieb für die Zukunft fit machen wollen. Zwar gleicht der Rekordsommer den auch in den wetterunabhängigen Hallenbädern registrierten Besucherschwund der vergangenen Jahre aus, doch die Probleme der Berliner Bäder kann auch die Hitze nicht vergessen machen.

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