Kommentar

Ein überfälliges Signal an rechtschaffene Bürger

Endlich geht es den Großfamilien an den Lebensnerv. Der Staat zeigt Wehrhaftigkeit, kommentiert Chefredakteurin Christine Richter.

Foto: Paul Zinken/dpa/Montage:BM

Selten stößt das Vorgehen von Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt auf so ungeteilte Zustimmung in der Stadtgesellschaft wie in diesem Fall. In einer spektakulären Aktion gegen kriminelle Mitglieder einer arabischen Großfamilie wurden 77 Wohnungen, Häuser und Grundstücke in Berlin und dem Umland vorläufig beschlagnahmt. Gesamtwert der Liegenschaften: fast zehn Millionen Euro. Dieses Vermögen, mutmaßlich erworben durch organisierte Kriminalität, ist dem Clan nun vorerst entzogen.

Das ist sehr gut – und es war überfällig. Seit Jahren müssen die Berliner zähneknirschend zur Kenntnis nehmen, dass Mitglieder einschlägig bekannter Großfamilien offenkundig Drogenhandel, Schutzgelderpressung und Menschenhandel betreiben, der Staat dem aber anscheinend nicht beikommen kann. Auch Innensenator Andreas Geisel (SPD) betonte mehrfach, wie schwierig es sei, in die abgeschotteten Strukturen der Clans vorzudringen. Derweil kassieren Mitglieder dieser Großfamilien auch noch Hartz IV, während sie Immobilien kaufen und so versuchen, kriminell erworbenes Geld zu waschen.

Die Kriminellen werden an ihrem Lebensnerv getroffen

Nun setzen die Ermittler auf das 2017 erlassene Gesetz zur Vermögensabschöpfung. Wie tragfähig es ist, wird sich vor allem an dieser umfassenden Beschlagnahme erweisen. Hoffentlich ist es „wasserdicht“. Denn der Weg, die organisierte Kriminalität an ihrem Lebensnerv, dem Geld, zu treffen, ist der effektivste. Gleichzeitig zeigt der Staat, dass er wehrhaft ist, und dass er bereit ist, mit der Stärke des Rechts gegen organisierte Kriminelle vorzugehen.

Das ist ein notwendiges und wichtiges Signal – sowohl den rechtschaffenen Bürgern dieser Stadt gegenüber als auch für die Clans. Dabei sollten insbesondere die Kinder in den Fokus genommen werden. Wenn wir sie dazu bringen wollen, aus den kriminellen Strukturen ihrer Großfamilien auszubrechen, müssen vor allem sie aufgezeigt bekommen, dass der Rechtsstaat stärker ist als ihre kriminellen Vorbilder.

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