Kommentar

Senatorin Lompscher sollte ihren Urlaub unterbrechen

Von allen Seiten prasselt es auf die Bausenatorin ein. Doch die weilt an der Ostsee und sitzt die Probleme aus, meint Florian Schmidt.

Senatorin Katrin Lompscher auf dem Dach ihrer Behörde

Senatorin Katrin Lompscher auf dem Dach ihrer Behörde

Foto: Reto Klar

Berlin. Es fängt bereits beim Titel ihrer Verwaltung an: Katrin Lompscher führt als Senatorin die „Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen“. Nicht für Bauen. Eine semantische Petitesse? Vielleicht. Lompscher aber scheint ihre Bezeichnung wörtlich zu nehmen – und steht dafür seit Wochen in der Kritik. Nachdem sie auf der Senatsklausur Ende Juni die Zahl der anvisierten Neubau-Wohnungen in dieser Legislaturperiode nach unten korrigierte, wird ihr, mal mehr, mal weniger direkt, vorgeworfen, gar nicht die Absicht zu verfolgen, genug neuen Wohnraum in Berlin zu schaffen. Das Kalkül, das nun auch viele in der Koalition bei ihr vermuten: Lompscher bedient lieber ihre Linkspartei-Klientel, die Wachstum und Neubau ablehnt.

Die Kritik mag unfair sein. Fakt ist aber: Sie kommt gerade von allen Seiten. Und die Stimmen werden lauter und prominenter. Jetzt hat auch der einflussreiche Wohnungsbauverband BBU harte Worte für die Politik des Senats gefunden und kritisiert, dass in Berlin „kein Bau- und Wachstumsklima“ herrsche. Eigentlich müsste man erwarten, dass sich die Gescholtene den Vorwürfen stellt. Was aber macht Lompscher? Weilt im Urlaub an der Ostsee, tut, was sie so oft tut und gut kann: alles abperlen lassen, Probleme aussitzen, keine Regung zeigen.

Das Signal, das davon ausgeht, ist fatal. Einmal mehr wirkt es, als sei der Senatorin alles egal. Sie erklärt sich nicht zur umstrittenen Personalie Obermeyer, sie meldet sich zur BBU-Kritik nicht zu Wort. Selbst zum Chef-Gespräch mit dem Regierenden Michael Müller und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop zum Knorr-Bremse-Areal erscheint sie nicht, schickt nur ihren Staatssekretär. Sicher, jeder hat ein Recht auf Urlaub. Wenn der Ärger in der Heimat aber zu groß wird, können die Berliner zu Recht mündliche Reaktion erwarten. Und im Zweifel lässt sich eine Reise auch unterbrechen. Zumal wenn sie nur bis zur Badewanne Berlins geht.

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