Kommentar

Warum die Festlegung nur auf den Tram-Ausbau falsch ist

Statt U-Bahnstrecken will der Senat lieber Trams bauen. Doch in der Innenstadt ist die U-Bahn oft sinnvoller, meint Thomas Fülling.

Thomas Fülling

Thomas Fülling

Foto: Reto Klar

Berlin. Wer im Berufsverkehr auf den M29 oder den M41 angewiesen ist, hat selten Freude. Mal kommt fast 20 Minuten lang gar kein Bus, dann gleich drei Busse hintereinander. Endlich drin, bleibt kaum Luft zum Atmen, so eng ist es. Keine Frage: Auf vielen Innenstadtrouten stößt der Busverkehr an seine Grenzen. Es ist also vollkommen richtig, dass der Berliner Senat, aber auch Verkehrspolitiker und Interessenorganisationen, über Alternativen nachdenken.

Richtig ist auch, dass dabei jetzt intensiv über den Ausbau des Straßenbahnnetzes nachgedacht wird. Die „Elektrische“ ist nicht nur in Berlin erfunden worden, sie war einst auch das Rückgrat des Nahverkehrs in der Stadt. Weil sie dem Umbau zur autogerechten Stadt einst im Wege stand, wurde sie 1967 endgültig aus dem Westteil der Stadt verbannt.

Straßenbahnen sind schnell überfüllt

Inzwischen erlebt die Straßenbahn in vielen Großstädten Europas und Nordamerikas eine echte Renaissance. Zu Recht: Die Trassen können kostengünstiger und schneller als neue U-Bahntunnel gebaut werden, die Trambahnen sind zudem umweltfreundlich, wirtschaftlich effizient und oft deutlich bequemer als Busse. Dennoch ist die einseitige Festlegung des rot-rot-grünen Senats allein auf einen Ausbau des Tram-Netzes in der Stadt falsch.

Gerade dort, wo sie aus Platzgründen kein eigenes Gleisbett hat, steht sie oft so häufig im Stau wie die Busse. Schienen mitten auf der Straße sind zudem eine Unfallgefahr speziell für Radfahrer, von denen es nach dem Willen von Rot-Rot-Grün künftig deutlich mehr geben soll. Auf besonders stark genutzten Strecken stößt auch die Tram schnell an ihre Kapazitätsgrenzen. In der Innenstadt ist eine U-Bahn oft sinnvoller, im Randbereich die S-Bahn. Welches Verkehrsmittel das beste ist, muss im Einzelfall in fairen, ideologiefreien Verfahren untersucht werden. In der Verkehrspolitik ist es wie bei der Kreation eines guten Drinks: Der Mix macht es.

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