Kommentar

Berlin vergibt beim Thema Gesundheitsstandort eine Chance

Warum die neue Expertenkommission des Senats auf Kritik stößt. Ein Kommentar.

Berlin soll ein medizinischer Top-Standort werden

Berlin soll ein medizinischer Top-Standort werden

Foto: Angelika Warmuth / dpa

Berlin hat als Gesundheitsstandort großes Potenzial. Hier gibt es nicht nur eine leistungsfähige Krankenhauslandschaft, hier sind auch viele Einrichtungen der Wissenschaft und Forschung sowie gewichtige Unternehmen angesiedelt. Folgerichtig setzt der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) auf diesen für die Stadt wichtigen Zukunftsbereich. Es ist auch zu begrüßen, dass er initiativ wird und Empfehlungen erarbeitet wissen möchte, wie man das Gesundheitscluster stärken kann.

Die Berufung der Expertenkommission "Gesundheitsstadt Berlin 2030" wirft allerdings Fragen auf. In dem Konzept spielen Charité und Vivantes als große Player bei der Patientenversorgung und, im Fall des Universitätsklinikums, der medizinischen Forschung eine zentrale Rolle. Sie sehen sich aber bislang nicht eingebunden, wüssten nicht, was konkret von ihnen erwartet werde.

Verwunderlich, dass Ramona Pop nicht mit am Tisch saß

Entsprechend schmallippig fiel am Mittwoch die Antwort von Charité-Chef Karl Max Einhäupl auf die Frage aus, was er von der Zukunftskommission halte: Er könne nichts dazu sagen, er wisse zu wenig. Gegen externen Sachverstand ist nichts zu sagen. Aber es würde keinen Sinn ergeben, nur über die wichtigsten Akteure zu sprechen und nicht mit ihnen. Sie sollen in der Kommission angehört werden, hieß es dann am Mittwochabend. Immerhin.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop saß nicht mit am Tisch, als das Expertengremium vorgestellt wurde. Verwunderlich, denn für die Gesundheitswirtschaft ist die Grünen-Politikerin zuständig. Sie bereitet ohnehin den "Pharmadialog" vor, einen direkten Austausch mit großen Unternehmen der Gesundheitswirtschaft. Nun macht also jeder seins. Damit wird eine Chance vergeben, das Thema als Aufgabe der gesamten Landesregierung zu präsentieren. Andere Bundesländer schaffen das.

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