Kommentar

Abzocke mit möblierten Wohnungen kann nur der Bund stoppen

Neueste Masche der Vermieter: absurde Aufschläge für Möbel in Mietwohnungen. Hier muss die Bundesregierung ran, meint Lorenz Vossen.

Mieten: Berlin ist für Normalverdiener kaum noch bezahlbar

In keiner Großstadt Deutschlands sind die Mieten für Normalverdiener so unerschwinglich wie in Berlin. Zwischen 2012 und 2016 sind die Mieten in Berlin um 20% gestiegen - Platz 8 im deutschlandweiten Städteranking.

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Berlin. Diese Geschichte hat zwei Schuldige. Zum einen natürlich die Gruppe der Immobilieneigentümer, der Investoren und Spekulanten, deren Gier keine Grenzen zu kennen scheint. Die mit einem menschlichen Grundbedürfnis Geschäfte machen und die Menschen dafür in die Verzweiflung treiben. Und dabei eine bemerkenswerte Fantasie an den Tag legen. Neueste Masche: Sie stellen einfach ein paar Möbel in die Wohnung und verlangen dann absurde Aufschläge, schließlich ist die Wohnung ja möbliert. Legen die Vermieter den Möblierungszuschlag im Vertrag nicht fest und vermieten die Wohnung befristet, greift die Mietpreisbremse nicht. Das ist nicht mal illegal.

Die Marktgesetze werden dabei außer Kraft gesetzt. Die Nachfrage für möblierte Wohnungen mag wegen des immer flexibleren Arbeitsmarkts und der gestiegen Zahl an Pendlern vielleicht gewachsen sein. Aber geschätzte zehn Prozent möblierte Wohnungen? Braucht kein Mensch. Und ganz ehrlich: Will man seine Wohnung nicht lieber selbst möblieren? In vielen Fällen greifen die Leute aus purer Verzweiflung zu.

Der andere Schuldige ist ausnahmsweise nicht Berlins Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke), obwohl sie sich in Sachen Neubau bislang noch keine Lorbeeren verdient hat. Doch die Abzocke mit möblierten Wohnungen kann nur die Bundesregierung stoppen, Mietrecht ist Bundesrecht. Hier will der Senat deshalb mit einer Bundesratsinitiative tätig werden. Doch der Beweis, dass eine große Koalition den bundesweit herrschenden Wohnungsmangel beheben will, steht seit Jahren aus. Das Ziel, in dieser Legislatur 1,5 Millionen Wohnungen zu bauen, halten selbst Optimisten für gewagt. Für die Spekulationen mit Bauland will man eine Enquetekommission einrichten. Die sind dafür bekannt, besonders viel Zeit zu benötigen. Bis dahin werden noch mehr Wohnungen mit dem Hinweis „möbliert“ in Berlin inseriert werden.

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