Kommentar

Warum eine Generation in der Mietenfalle sitzt

Im Alter werden sich viele ihr Zuhause nicht leisten können. Konzepte gegen Altersarmut wegen Mieten fehlen, sagt Isabelll Jürgens.

Eine Seniorin zieht einen 20 Euro Schein aus ihrem Portemonnaie

Eine Seniorin zieht einen 20 Euro Schein aus ihrem Portemonnaie

Foto: imageBROKER/Jan Tepass / imago/imagebroker

Berlin. Gegen den "Mietenwahnsinn" sind am Sonnabend 15.000 Menschen auf die Straße gegangen. Die Sorge, sich die Wohnung angesichts steigender Mieten nicht mehr leisten zu können, ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Wenn stimmt, was die Forscher vom Pestel-Institut in Hannover errechnet haben, müsste die Generation der 45- bis 55-Jährigen über das Stadium der Sorge bereits hinaus sein und an schweren Panikattacken leiden.

Vier von zehn Berlinern dieser Altersgruppe haben demnach ab 2030 einen Rentenanspruch von unter 800 Euro pro Monat. Schon heute ist es schwer, von dieser Summe die Miete zu bezahlen – im Jahr 2030 nahezu unmöglich. Der Staat wird also, wie gehabt, über Grundsicherung, Wohngeld, den Bau weiterer Sozialwohnungen und eine funktionierende Mietpreisbremse Vorsorge treffen müssen. Das ist teuer und allein nicht nachhaltig, sagt Pestel – und empfiehlt, dafür zu sorgen, dass finanzschwache Mittfünfziger in Metropolen Wohneigentum erwerben können.

Das sei – bei einer bescheidenen Immobile – die beste Altersvorsorge und auf lange Sicht günstiger für den Staat. So sympathisch der Vorschlag ist, aus Mietern Eigentümer zu machen, für Berlin kommt er zu spät. Nur in wenigen Stadtrandlagen gibt es noch Objekte mit Preisen unter 2000 Euro je Quadratmeter. Das wäre aber selbst mit der geforderten Förderung die absolute Obergrenze. Noch vor fünf Jahren war das anders, da gab es fast flächendeckend entsprechende Angebote. So bleibt nur die Erkenntnis, dass die Altersarmut durch Wohnkosten allein mit mieten- und baupolitischen Instrumenten nicht abzuwenden ist.

Eine echte Rentenreform muss her, damit künftigen Rentnern nach 40 Jahren Beitragszahlung ein Leben in der Hauptstadt möglich ist.

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