Kommentar

Warum die 90-Euro-Obergrenze für Kitas nichts bringt

Senatorin Scheeres will in Kitas soziale Durchmischung schaffen. Aber so wird das nichts, meint Susanne Leinemann.

Kinder in einer Kita-Tagesstätte in Berlin (Archivbild)

Kinder in einer Kita-Tagesstätte in Berlin (Archivbild)

Auf den ersten Blick sieht die neue Regelung gut aus: Die Senatsverwaltung vereinbart mit den Kitaträgern eine Obergrenze für elterliche Zusatzzahlungen. 90 Euro maximal und keinen Cent mehr darf eine Kita im Monat kosten. Aber halt, ist die Berliner Kita nicht umsonst? Antwort wie bei Radio Eriwan: Im Prinzip ja, aber oft fallen ja noch Zusatzkosten an. Bioessen, Frühenglisch oder Blockflöte. In Zeiten großer Kitaplatznot drohen diese Zusatzkosten ein erpresserisches Moment zu werden, gerade wenn Träger rein wirtschaftlich agieren, also weder ein kirchlicher noch ein sozialer Gedanke dahintersteht. Entweder, liebes Elternteil, du zahlst oder du fliegst von der Warte­liste! Im schlimmsten Falle ist den Eltern noch nicht mal ganz klar, wofür genau sie das Geld überweisen. Es fehlt oft an Transparenz.

Das soll sich nun durch die neue Regelung ändern – ab September 2018 gilt die Obergrenze. Warum ausgerechnet 90 Euro? Die Zahl ist willkürlich, wichtig war nur, dass sie zweistellig bleibt. Denn die Senatsverwaltung hat sich nie die Mühe gemacht, tatsächlich bei den Berliner Kitaträgern die Zusatzkosten abzufragen. Sie wissen schlicht nicht, wie viel in den verschiedenen Bezirken gebraucht wird, was eine sinnvolle Obergrenze wäre. 90 Euro ist ein politischer Betrag. Alles über 100 Euro hätte womöglich Empörung ausgelöst.

Eltern mit Geld holen sich, was sie für ihr Kind wollen

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sagt kämpferisch, die Obergrenze sei ein Mittel gegen Segregation. Jedes Kind könne jetzt in jede Kita. Klingt gut, aber die Wahrheit ist eine andere. Exklusive Kitas mit hohem Bildungsanspruch und vielen Angeboten werden über Eltern-Fördervereine das zusätzliche Geld hereinholen. Die Stadt verändert sich, es gibt zunehmend auch Eltern mit Geld, die solche Angebote für ihre Kinder wünschen. Das ist ihr gutes Recht. Senatorin Scheeres mag gegen Segregation kämpfen, aber mit einer pädagogischen 90-Euro-Obergrenze ändert sie nichts.

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