Kommentar

Tempolimit? Ja bitte – und das in ganz Berlin

Tempo 30 macht das Autofahren stressfreier und sicherer. Deshalb sollte es in der ganzen Stadt eingeführt werden.

Uta Keseling

Uta Keseling

Foto: Marion Hunger

Berlin. Tempo 30 auf der Leipziger Straße? Ein Witz! So schnell kommt man auf dieser ewig verstopften Hauptverkehrsstraße durch Mitte doch sowieso nie voran. Regelmäßig sehe ich hier Autofahrer vor Wut beinahe kollabieren, während sie im Schritttempo Radfahrer oder Fußgänger bedrängen, vielleicht in dem Gefühl, dass sich dann wenigstens irgendwie irgendwas bewegt, und wenn es Polizei und Krankenwagen sind.

Genau deswegen bin ich für ein striktes Tempolimit für die Leipziger Straße. Und übrigens gern auch auf allen anderen Straßen der Stadt. Ich bin sicher, dass damit alle Beteiligten stressfreier und aufmerksamer fahren. Und auf jeden Fall sicherer. In vielen Fällen werden sie sogar schneller ans Ziel kommen.

Viele Autofahrer fahren inzwischen immer Tempo 30

Ein Beispiel ist mein Arbeitsweg zwischen Hermannplatz und Zoo: Selbst die vierspurigen Straßen sind hier mittlerweile ein einziger Schilderwald aus Tempozonen. Mal muss 30 gefahren werden, mal 50, manche Zonen gelten nur tagsüber, andere nur nachts, manche immer, manche nur wochentags, einige Zonen sind nur wenige lächerliche Meter lang, auf der Yorckstraße galt eine Weile sogar Tempo 10. Und immer steht irgendwo die Polizei und kassiert ab.

Es ist so absurd, dass viele Anwohner inzwischen immer Tempo 30 fahren. Und das gern nur auf der linken Spur. Denn rechts wird seitdem gemächlich be- und entladen, schleichen Fahrräder und Elektroroller entlang, fädeln sich mächtige BVG-Busse in aller Ruhe aus ihren Haltestellen. Selbst ortsfremde Fahrer reihen sich mittlerweile klaglos in diesen Links-Kriechverkehr ein. Vielleicht in dem Gefühl, dass Autofahren in Berlin heute so sein muss. Oder zumindest im hippen Kreuzkölln, wo ja eh alles Projekt und Versuch ist.

Erinnert Sie sich noch an die Einführung des Tempolimits auf der Avus 1989? Oder die Einführung der Busspuren am Kudamm? Damals bekam tout Berlin Schnappatmung, nur weil „Freiheiten“ von Autofahrern eingeschränkt wurden. Heute gilt auf der Avus Tempo 80, teilweise sogar nur 60, ähnlich auf großen Teilen der Stadtautobahn in Reinickendorf. Und, ist es schlimm? Gibt es Proteste? Genau. Manche Sachen muss man einfach mal ausprobieren. Und: „Wennet dann looft, dann isset eben typisch Balin.“

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