Kommentar

Berliner Feuerwehr: Ein Kollaps mit Ansage

Das Berliner Rettungssystem braucht dringend eine Reform, meint Alexander Dinger.

Autor Alexander Dinger

Autor Alexander Dinger

Berlin. Die Berliner Feuerwehr fährt auf Verschleiß. Wenn das Notfallrettungssystem nicht kollabieren soll, braucht es dringend eine Reform. Gelingt das nicht, hat die Hauptstadt bald ein akutes Problem, das latent lebensbedrohlich ist. Allerdings kommt die aktuelle Situation nicht überraschend, sondern hat sich über Jahre aufgebaut.

Die eigentliche Ursache für die hohe Belastung der Feuerwehr ist sogar positiv: Berlin boomt und wächst. Dadurch steigen aber auch die Alarme. Das wurde allerdings lange ignoriert. Neues Personal wurde nicht eingestellt. Das rächt sich. Zwar hat Innensenator Andreas Geisel (SPD) die Not der Retter erkannt und neues Personal, eine bessere Besoldung, den Abbau des Beförderungsstaus und die Anschaffung moderner Technik auf den Weg gebracht. Das kann aber nur der Anfang sein und ignoriert das eigentliche Problem: strukturelle Mängel.

Hier müssen sich die hoch dekorierten Entscheidungsträger bei der Feuerwehr und die Spitzenbeamten in den Verwaltungen die Frage gefallen lassen, ob man hier nicht schon eher hätte reagieren können, wenn man auf seine Mitarbeiter gehört hätte. War es nicht möglich, die Zusammenarbeit mit dem ärztlichen Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) auszubauen? Warum konnte der Krankentransport bislang nicht neu organisiert werden? Kann es sein, dass das viel gelobte Abfragesystem in der Leitstelle doch nicht so toll ist, wenn Rettungswagen zu absurden Einsätzen geschickt werden, nur weil sich dahinter vielleicht doch ein Notfall verbergen könnte?

Der Frust über die aktuelle Lage entlädt sich auch im Internet. In Videos und Beiträgen machen Feuerwehrleute ihrem Ärger Luft. Die Behördenleitung täte gut daran, ihren Mitarbeitern ein bisschen besser zuzuhören und nicht erst zu reagieren, wenn die Feuerwehr selbst ein Notfall ist.