Kommentar

Hebamme dringend gesucht

Viele Jahre lang wurde das Problem verschleppt und Hebammen zu schlecht bezahlt. Jetzt zeigen sich die drastischen Folgen.

Susanne Leinemann

Susanne Leinemann

Foto: Reto Klar

Ihr Schwangerschaftstest ist positiv? Herzlichen Glückwunsch! Sie wollen sich ab jetzt schonen, zurücklehnen und die nächsten Monate genießen? Pustekuchen! Dies ist Berlin, Sie müssen sich ranhalten: sich bei mehreren Kliniken für die Geburt anmelden, falls das große Ereignis im Kreißsaal und nicht auf dem Parkplatz stattfinden soll. Die Unterlagen für das Elterngeld abgabebereit ausfüllen, das Ungeborene schnell auf die Wartelisten von Krippen und Tagesmüttern setzen. Sonst wird das nichts. Eine Hebamme wollen Sie auch noch begleitend bei der Geburt dabeihaben? Dann stellen Sie sich mal ganz hinten an.

Die Lage sei „katastrophal“, sagt Simone Logar vom Berliner Hebammenverband. Man könne kaum noch Frauen vermitteln. Warum? Es gibt viel zu wenige Hebammen in der Stadt. Früher sei es an Weihnachten und in den Ferien schwer gewesen, eine Hebamme zu finden. „Jetzt zieht sich das Problem durch das ganze Jahr“, heißt es beim Verband. Ein Teil der Hebammen arbeitet fest in Kliniken. Wer in seinem Bezirk jemanden sucht, der einen vor, während und nach der Geburt begleitet, verzweifelt oft. Angeblich versuchte manche desperate Schwangere schon, sich eine Hebamme zu „erkaufen“. Eigentlich werden alle Leistungen von der Krankenkasse bezahlt. Wenn man nur jemanden hätte ...

Neu ist das Problem nicht. Die Zahl der Geburten steigt in Berlin seit Jahren. Dennoch wurde der Beruf Hebamme unattraktiver: schlechte Bezahlung trotz großer Verantwortung, dazu ein teurer Versicherungsschutz, der den meist selbstständig arbeitenden Frauen zu schaffen macht. Ab 2020 wird man Hebamme nur noch mit Studium. Ob man dann besser verdient, ist noch unklar. Ein Beruf im Wandel also. Doch den Frauen, die jetzt gebären, ist das egal. Sie wollen eine unterstützende Hebamme. Viele Jahre wurde das Problem verschleppt. Nun zeigen sich drastisch die Folgen: buy-a-hebamme!

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