Kommentar

Für die Pendler in Berlin und Brandenburg gibt es Hoffnung

Jahrelang gingen sich Berlin und Brandenburg aus dem Weg. Jetzt werden erste Schritte gemacht, beobachtet Lorenz Vossen.

Pendler warten an einem S-Bahn-Zug (Archivbild)

Pendler warten an einem S-Bahn-Zug (Archivbild)

Foto: dpa Picture-Alliance / Gero Breloer / picture-alliance/ dpa

Berlin. Der Berliner Fahrgastverband Igeb hat die Lizenz zum Meckern. Nicht umsonst, schließlich weiß der Verein dank der zahlreichen Beschwerden, die ihn Tag für Tag erreichen, um Wohl und Weh der Pendler in der Region. Geht es um die Verbindungen zwischen Berlin und Brandenburg, meckern sie bei der Igeb besonders gern: überfüllte Züge, zu spät sowieso, zu wenige Fahrten. Eingleisige Streckenabschnitte und hohe Störanfälligkeit. Und eine ungenutzte, deaktivierte Trasse nach Potsdam, auf der fast mal ein Radweg gebaut werden sollte, und die seit einer halben Ewigkeit vor sich hin modert.

Doch jetzt kommen auf einmal andere Töne vom Fahrgastverband. Die Zusammenarbeit beider Länder, die sich beim Thema Ausbau des Schienenverkehrs über Jahre aus dem Weg gegangen waren, sei inzwischen auf einem erfreulichen Niveau. Das sei früher noch ganz anders gewesen. Tatsächlich scheint es, als hätten die politisch Verantwortlichen ein paar Löcher in die Landesgrenze geschlagen.

Früher fühlte man sich jeweils nur für sein eigenes Gebiet verantwortlich. Jetzt setzt sich Berlin sogar dafür ein, dass ein Abschnitt zwischen Lübbenau und Cottbus ausgebaut wird. Und in den kommenden Monaten wird sich die Zahl der Sitzplätze in den Regionalbahnen deutlich erhöhen. Davon profitieren die Brandenburger, die zum Arbeiten nach Berlin pendeln, aber auch die Ex-Berliner, die wegen der steigenden Mieten ins benachbarte Bundesland gezogen sind. Für ihr Wohlbefinden ist ein starkes Angebot auf der Schiene unerlässlich. Gut für die Umwelt, wenn weniger Pendler das Auto nehmen, ist es sowieso.

Berlin und Brandenburg haben erkannt, dass sie zusammengewachsen und voneinander abhängig sind. Jetzt gilt es, den Worten Taten folgen zu lassen, bei Bund und Bahn wegen Finanzierung und Umsetzung nicht lockerzulassen. Aber der erste Schritt ist immerhin schon gemacht.

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