Kriminalität

Kriminalität - Es gibt keinen Grund zum Ausruhen

Berlin kann sicherer werden, wenn die Polizei sich fokussieren kann, meint Alexander Dinger.

Ein Taschendieb schlägt zu (Symbolfoto)

Ein Taschendieb schlägt zu (Symbolfoto)

Foto: dpa Picture-Alliance / Arno Burgi / picture alliance / dpa

Berlin ist im vergangenen Jahr etwas sicherer geworden. Der Trend stimmt also und gibt Anlass zur Hoffnung. Trotzdem ist das kein Grund, um sich auszuruhen. Denn in vielen Bereichen hat Berlin noch die rote Laterne. Es gibt zum Beispiel keine andere deutsche Stadt in der pro 100.000 Einwohner mehr Verbrechen passieren. Noch drastischer ist das Bild bei den Aufklärungsquoten. Während in Bayern mehr als 60 Prozent der Straftaten aufgeklärt werden, sind es in Berlin nur knapp 45 Prozent.

Das wiederum hat Auswirkungen auf das subjektive Sicherheitsempfinden der Bürger. Wenn die das Gefühl haben, dass Einbrecher und Taschendiebe sowieso nicht gefasst werden, entsteht leicht ein Gefühl, dass der Staat machtlos sei. Was er aber nicht ist.

Gut zu erkennen ist das beim Taschendiebstahl. Lange wurde dieses Thema als Bagatelldelikt abgetan. Während Polizisten sehr wohl wissen, dass die Täter oft zu organisierten Banden gehören, haben Richter dieses Kenntnis häufig nicht, weil sie zu viele Fälle in zu kurzer Zeit bearbeiten müssen und Akten oft nur überfliegen können. Bei vermeintlichen Bagatelldelikten landen Tatverdächtige schnell wieder auf der Straße und nach der nächsten Tat wieder bei der Polizei. Nun hat im vergangen Jahr aber auf Bestreben der Polizei ein engerer Austausch mit der Justiz stattgefunden. Amtsanwälte besuchten Ermittler und ließen sich über die Maschen der Taschendiebe aufklären. Eine Konsequenz: Die Haftquoten bei Taschendieben gingen deutlich nach oben.

Aus diesem Positivbeispiel aus der Kriminalitätsstatistik lässt sich auch auf andere Bereiche schließen wie etwa Fahrraddiebstahl. Berlin kann sicherer werden, wenn die Polizei sich fokussieren kann, und die Zusammenarbeit mit anderen Behörden funktioniert. Das muss aber politisch gewollt sein und von einer Behördenleitung umgesetzt werden. Und hier scheint Berlin auf einem guten Weg zu sein.

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