Kommentar

Flüchtlinge und die Infusion für die Berliner Konjunktur

Migranten kosten das Land Berlin viel Geld. Aber die Investition wird sich langfristig auszahlen, sagt Joachim Fahrun.

Flüchtlinge auf dem Weg in eine Erstaufnahmeeinrichtung

Flüchtlinge auf dem Weg in eine Erstaufnahmeeinrichtung

Foto: Carsten Rehder / dpa

Die Summe klingt gigantisch. Mehr als 900 Millionen Euro Steuergeld werden allein in Berlin jedes Jahr für Flüchtlinge ausgegeben. Dass die Bundesregierung davon einen großen Teil übernimmt und die Kosten der Unterkunft für eine zunehmende Zahl der anerkannten Asylbewerber oder Bürgerkriegsflüchtlinge trägt, ändert an dem Befund nichts: Die langfristigen finanziellen Folgen der massenhaften Zuwanderung nach der Grenzöffnung 2015 sind erheblich.

Und wir müssen ehrlich sein: Sie werden auch in den nächsten Jahren kaum nennenswert sinken. Denn erstens kommen weitere Flüchtlinge, wenn auch deutlich weniger als früher. Zweitens bleibt es eine humanitäre Pflichtaufgabe, die Menschen unterzubringen, auszubilden und zu integrieren. Das dauert länger, als manche in der Euphorie der Willkommenskultur dachten. Aber man muss die Ausgaben auch in Relation setzen.

Zwar liegen die Flüchtlingskosten über dem Berliner Kulturetat. Dennoch gibt die Stadt nur drei Prozent ihres Haushalts für diese historische Herausforderung aus. Dabei wird niemandem wird etwas weggenommen. Die boomende Wirtschaft und die niedrigen Zinsen sorgen dafür, dass Berlin trotz allem investiert wie lange nicht und Überschüsse erwirtschaftet, ebenso wie Deutschland insgesamt.

Die Ausgaben für Flüchtlinge haben sich zudem als wirksame Infusion für die Konjunktur erwiesen. Viel Geld fließt für Betreuer, Lehrer und Sachbearbeiter, die sich um die Zuwanderer kümmern. Baufirmen, Sicherheitsdienste, Sozialunternehmen, Hostelbetreiber fahren Rekordgewinne ein. Dass sich einige bereichern, indem sie Bruchbuden für 25 Euro pro Tag und Kopf vermieten, gehört zu den negativen Seiten des Booms.

Dennoch: Wenn es gelingt, möglichst viele der Neuankömmlinge gut zu integrieren, sie zu Steuerzahlern und ordentlichen Bürgern zu machen, dann ist das Geld gut investiert.

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