Neue Finanzspritze nötig

Beim Flughafen BER wird Vertrauen verspielt

Nicht drei oder vier oder 30 oder 40 Millionen, sondern bis zu 1000 Millionen Euro kostet der BER extra. Isabell Jürgens kommentiert.

Aktueller Termin: Der BER soll im Oktober 2020 eröffnen

Aktueller Termin: Der BER soll im Oktober 2020 eröffnen

Foto: pa/Patrick Pleul

Was passiert, wenn bei einem ohnehin schon völlig aus dem Ruder gelaufenen öffentlichen Bauvorhaben bekannt wird, dass der bislang kommunizierte Finanzbedarf nicht ausreicht und bis zu einer Milliarde Euro zusätzlich erforderlich sein werden, um das Projekt zur Ende zu bringen? In Berlin lautet die gespenstische Antwort: Nichts, alles läuft so weiter wie bisher. Die Rede ist, mal wieder, vom Pannenflughafen BER. Der benötigt laut einem Bericht, der sich auf Schätzungen der Flughafen-Kontrolleure im Aufsichtsrat beruft, inklusive des weiteren Ausbaus nun noch einmal bis zu eine Milliarde Euro.

Erst Ende vergangenen Jahres hatte Engelbert Lütke Daldrup, der Chef der Berliner Flughäfen, seinen „Masterplan 2040“ präzisiert. Mit diesem, so sagte es der SPD-Politiker damals, wolle er auch „ein Stück Vertrauen in den Standort“ zurückgewinnen. Zwar benannte Lütke Daldrup auch einen neuen Eröffnungstermin, den nunmehr sechsten in der langen Geschichte des Airports, der nun in knapp drei Jahren gefeiert werden soll. Was damals allerdings unbeantwortet blieb, war die Frage nach dem weiteren Finanzierungskonzept. Das solle, vertröstete Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD), im März dieses Jahres nachgereicht werden.

Nun ist also durchgesickert, dass der Steuerzahler von den erneut benötigten tausend Millionen Euro doch bitte 600 Millionen Euro übernehmen möge – mehr als 400 Millionen Euro könne die Flughafengesellschaft selbst leider nicht beitragen. Vertrauen lässt sich so sicher nicht zurückgewinnen, wenn für ein Projekt, das längst unkalkulierbar geworden ist, wenige Wochen nach dem als Befreiungsschlag gefeierten neuen Eröffnungstermin, nun die wahren Kosten bekannt werden. Aber beim Großflughafen BER ist ja bislang offenbar nur eines unmöglich: Verlässliche Zahlen zu liefern und Vertrauen in das Projekt zu haben.