Kommentar

Macht Schluss mit der Todesfalle Toter Winkel beim Lkw!

Lastwagen benötigen auch elektronische Warnsysteme, meint Joachim Fahrun. Das ist nicht einmal teuer.

Auch bei diesem Unfall wurde ein Radfahrer von einem abbiegenden Lkw schwer verletzt (Archivbild)

Auch bei diesem Unfall wurde ein Radfahrer von einem abbiegenden Lkw schwer verletzt (Archivbild)

Foto: Thomas Peise

Radfahren ist auch in Berlin hilfreich für die Fitness, gut für die Luft, auf kürzeren bis mittleren Strecken vergleichsweise schnell – und leider ziemlich gefährlich. Stimmt, auf Bürgersteigen rasende Rad-Rambos gefährden Fußgänger. Deren Anteil ist durchaus relevant in den Unfallstatistiken. Dennoch wird die ganz überwiegende Zahl verunglückter Radfahrer auch in Berlin schuldlos von Autos und Lastwagen zu Fall gebracht. Es würden viel mehr sein, wenn Radfahrer lebensmüde wären und nicht zurücksteckten, wenn unaufmerksame Kraftfahrer sie beim Abbiegen übersehen.

Die überraschend gute Nachricht des Jahres 2017 ist, dass in Berlin mit 34 deutlich weniger Menschen im zunehmend dichteren Straßenverkehr zu Tode kamen als im Vorjahr, als 56 Tote zu beklagen waren. Neun Radfahrer verloren 2017 ihr Leben auf Berliner Straßen, 2016 waren es noch 17. Der Rückgang lässt hoffen: Womöglich führt die Gewöhnung an den wachsenden Radverkehr dazu, dass sich die Autofahrer anpassen und achtgeben. Neue Fahrradspuren und auffällige Markierungen sorgen für mehr Schutz, auch wenn hier noch viel zu tun bleibt.

Dennoch bleibt der Blutzoll auf deutschen Straßen mit fast 400 getöteten Radfahrern in 81.000 Unfällen viel zu hoch, um nicht noch eine wichtige Unfallquelle zu entschärfen: Nämlich rechts abbiegende Lkw, wie es die Berliner SPD-Fraktion jetzt wieder anregt und vom Senat eine Bundesratsinitiative fordert. Nicht nur Spiegel, die den toten Winkel ausleuchten, sind in den Lastwagen nötig, sondern auch elektronische Warnsysteme, die abgelenkte Fahrer auf Radfahrer hinweisen.

Bei 100.000 Euro für einen Lastwagen fallen ein paar Hundert Euro dafür kaum ins Gewicht, wenn dadurch jedes Jahr Dutzende Menschenleben zu retten sind. Aber vielleicht braucht es gar keine Berliner Bundesratsinitiative, weil Union und SPD das Problem in ihren Koalitionsverhandlungen auf Bundesebene entschlossen anpacken.

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