Klinik-Fusion

Aus für das neue Herzzentrum: Eine große Chance verpasst

Das geplante Herzzentrum hätte das Zeug gehabt, die Patientenversorgung zu verbessern. Eine verpasste Chance, meint Andreas Abel.

Menschen gehen am 30.04.2013 in Berlin auf den Haupteingang des Charité Campus Virchow-Klinikums zu. In der Einrichtung im Stadtteil Wedding sind die unterschiedlichsten medizinischen Fachrichtungen vertreten. Foto: Paul Zinken/dpa [ Rechtehinweis: (c) dpa ]

Menschen gehen am 30.04.2013 in Berlin auf den Haupteingang des Charité Campus Virchow-Klinikums zu. In der Einrichtung im Stadtteil Wedding sind die unterschiedlichsten medizinischen Fachrichtungen vertreten. Foto: Paul Zinken/dpa [ Rechtehinweis: (c) dpa ]

Foto: dpa Picture-Alliance / Paul Zinken / picture alliance / dpa

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) musste in den vergangenen Wochen viele schlechte Nachrichten verkraften, beim Wissenschaftssenator Michael Müller sah es besser aus. Doch nun muss auch er einen schweren Rückschlag für den Standort Berlin hinnehmen: Die Verhandlungen über ein Universitäres Herzzentrum zwischen Charité und Deutschem Herzzentrum Berlin sind gescheitert.

Das so lange und mit so großen Erwartungen vorbereitete Leuchtturmprojekt der Medizin wird es nicht geben. Dabei hatte es das Zeug, die Patientenversorgung zu verbessern, in Forschung und Lehre zu glänzen und Berlins internationales Renommee in der Herzmedizin weiter zu vergrößern. Eine große Chance wurde verpasst.

Warum wurden die Differenzen erst so spät offenkundig?

Wer am Ende die Verhandlungen abgebrochen hat, ist unerheblich. Es ist nachvollziehbar, dass die letztendliche Verantwortung in unternehmerischen Fragen bei der landeseigenen Charité als Mehrheitsgesellschafter liegen sollte. Das Herzzentrum hat sicherlich seine Gründe dafür, dies nicht akzeptieren zu wollen.

Unverständlich bleibt aber, warum das erst jetzt offenkundig wurde. Der Wissenschaftssenator kann dem Herzzentrum als Einrichtung einer Stiftung bürgerlichen Rechts keine Weisungen erteilen. Als sich die beiden Partner immer mehr verhakten, hat er sich eingeschaltet und den stockenden Prozess moderiert. In den kommenden Wochen wird darüber diskutiert werden, ob er das früher hätte tun sollen.

Nun wird Berlin also voraussichtlich weiterhin zwei herzmedizinische Einrichtungen haben. Die Charité könnte künftig mit Vivantes kooperieren. Der landeseigene Klinikkonzern hätte das Nachsehen gehabt, wenn die gesamte herzchirurgische Versorgung am Universitären Herzzentrum konzentriert worden wäre. Aber dieser positive Effekt macht den nun entstandenen Schaden nicht wett. Nur die geplante Bündelung der Expertise hätte Berlin international nach vorne gebracht.

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