Kommentar

Streit über Kopftuch: Berlin braucht neutrale Schulen

Lehrerinnen sollten kein Kopftuch tragen, denn das ist ein religiöses Symbol, meint Christine Richter.

Berlin. Die neue Runde im Kopftuch-Streit ist eröffnet: Die Grünen haben am Wochenende gefordert, dass es Lehrerinnen in den Berliner Schulen erlaubt sein soll, Kopftücher zu tragen. Junge Muslimas der sogenannten zweiten und dritten Generation wollten mit Kopftuch an Berliner Schulen unterrichten, sie erlebten das Berliner Neutralitätsgesetz als "Berufsverbot", so die Grünen. Und die ehemalige Grünen-Landeschefin Bettina Jarasch erklärte, sie wolle Lehrerinnen mit Kopftuch und erwarte zugleich, "dass sie die Religionsfreiheit von Schülerinnen verteidigen, die kein Kopftuch tragen wollen". Geht es noch naiver?

In Berlin dürfen Lehrerinnen, Polizistinnen und Richterinnen kein Kopftuch tragen. Aus gutem Grund, denn das Kopftuch ist ein religiöses Symbol – und im öffentlichen Dienst, erst recht in der Schule, bei der Polizei oder vor Gericht muss Neutralität gelten. Die Trennung von Staat und Kirche hat sich nämlich bewährt, nicht nur in Berlin. Ich bin überzeugt, dass viele Muslime nicht möchten, dass ihre Kinder von einer Lehrerin, die ein großes Kreuz an der Halskette trägt, oder von einem Lehrer mit Kippa unterrichtet werden. Egal, ob diese in zweiter oder dritter Generation in Deutschland leben. Wer möchte, dass seine Kinder religiös erzogen werden, der muss sich eine entsprechende, eine private Schule suchen. Dort, an den christlichen und staatlich anerkannten Privatschulen können dann auch Kruzifixe in Klassenräumen hängen – was die Grünen übrigens immer bekämpft haben.

Angesichts der vielen Probleme, die gerade die Berliner Schulen haben, wäre es der völlig falsche Weg, nun auch noch Lehrerinnen mit Kopftuch in die Schulen zu schicken. Wir brauchen an den Berliner Schulen Lehrerinnen und Lehrer, die nicht ihren Glauben zur Schau tragen, sondern die sich um jedes Kind, egal welcher Religion und Herkunft, bemühen. Wir brauchen Lehrer, die gut ausgebildet sind und die ein Vorbild für alle Kinder sind – egal welcher Religion und Herkunft.

Mehr zum Thema:

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.