Kommentar

Die Warnsignale an Berlins Schulen sind deutlich

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Alexander Dinger
Die gewalttaten an Berlin Schulen nehmen zu (Archiv)

Die gewalttaten an Berlin Schulen nehmen zu (Archiv)

Foto: Getty Images/iStockphoto

Die Gewalt an Schulen wächst, weil die Stadt geschlafen hat. Sie muss die Personalnot entschieden bekämpfen, meint Alexander Dinger.

Berlin. Die Zahlen sind alarmierend. Egal, welche Statistik man bemüht, in den Berliner Schulen scheint etwas falsch zu laufen. Verwaltung und Polizei regis­trierten mehr Straftaten und mehr Gewalt. Freilich, die Details müssen erst noch ausgewertet werden, und es gibt Unterschiede zwischen den einzelnen Statistiken. Die Polizei nimmt den Schulweg in ihrer Betrachtung mit auf, was die Schulverwaltung nicht tut, weshalb die Zahlen der Polizei auch höher sind. Zudem gibt es Unterschiede zwischen Verlaufsstatistiken und Kriminalitätsstatistiken.

Dennoch ist ein Trend erkennbar. Schönreden und wegdiskutieren hilft hier nicht weiter. Die Probleme haben viele Ursachen. Eine ist die Personalnot. Viel zu spät wurde in der Verwaltung erkannt, dass die wachsende Stadt mehr Lehrer braucht, und viel zu spät hat sie sich dafür starkgemacht, dass an der Universität mehr Pädagogen ausgebildet werden.

Schulaufsichten brauchen mehr Mittel, um Fehlentwicklungen früh zu erkennen

In diesem Jahr wurden an den Berliner Grundschulen etwa mehr Quereinsteiger eingestellt als ausgebildete Lehrer. In einer Pressemeldung zum Schulanfang fand dieser Umstand nicht einmal Erwähnung. Dabei brauchen Lehrer gerade in Stresssituationen langjährige Berufserfahrung und eine kompetente Beratung. Schulaufsichten müssen so ausgestattet werden, dass Fehlentwicklungen frühzeitig erkannt werden.

Das war in der Vergangenheit nicht immer so, wie etwa ein Beispiel aus Marzahn-Hellerdorf zeigt. Dort hatte die Wolfgang-Amadeus-Mozart-Gemeinschaftsschule die zuständige Schulaufsicht vor zwei Jahren immer wieder um Hilfe beim Umgang mit gewalttätigen Schüler gebeten. Der Hilferuf verhallte lange Zeit ungehört, während sich die Lage vor Ort zuspitzte.

Schulpsychologen beobachten, dass besonders dort die Gewaltbereitschaft wächst, wo viele verhaltensauffällige und leistungsschwache Schüler aufeinandertreffen. Starke Klassen stabilisieren sich hingegen eher. Wer hier nicht sofort gegensteuert, schafft die neuen Problemschulen von morgen.

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