Kommentar

Berlins Schlaglöcher freuen sich über die Arbeit des Senats

Die Berliner Infrastruktur ist ein endloses Trauerspiel. Dabei könnte es längst anders sein, meint Lorenz Vossen.

Schlaglöcher zwingen Autofahrer auf der Prinzenstraße in Berlin-Kreuzberg zur vorsichtigen Fahrweise

Schlaglöcher zwingen Autofahrer auf der Prinzenstraße in Berlin-Kreuzberg zur vorsichtigen Fahrweise

Foto: dpa Picture-Alliance / Robert Schlesinger / picture alliance / dpa

Bald geht es wieder los. Dann bricht der erste Frost über Berlin herein und überall werden die Straßen aufplatzen. Winterzeit ist Schlaglochzeit. Schön auch, wenn sich bei Regen das Wasser darin sammelt. Das Problem mit den löchrigen Fahrbahnen kannte schon Ingeborg Junge-Reyer (SPD), die Vor-Vor-Vorgängerin der heutigen Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne), weshalb sie vor einem Jahrzehnt ankündigte, dass Berlin ein „Schlaglochkataster“ aufbauen werde, also eine genaue Erfassung des Straßenzustandes als Grundlage für ein umfassendes Sanierungsprogramm. Man ahnt es bereits: Es wurde nichts daraus.

Vor drei Jahren fuhr ein mit Kameras ausgerüstetes Auto im Auftrags des Senats über Berlins Straßen und fotografierte alles: Fahrbahnen, Rad- und Gehwege, Brücken und Oberleitungen, was Vor-Ort-Begehungen bei der Erfassung von Schäden überflüssig machen sollte. Man ahnt es: Es wurde nichts daraus. Bis heute lässt das sogenannte Erhaltungsmanagement für die Straßen- und Brückeninfrastruktur in Berlin, eine computerbasierte Datenbank, auf sich warten. Die entsprechende Technik fehlt.

Der Senat hat noch immer das Software-Problem nicht geregelt

In einer wachsenden Stadt ist neben bezahlbarem Wohnraum nichts so wichtig wie eine funktionierende Infrastruktur. Das gehört zur Zukunft, ebenso entsprechende Softwaresysteme. Stattdessen weiß Berlin immer noch nicht ganz genau, wie es um seine Infrastruktur bestellt ist. Das riecht nach Steinzeit. Dass es kein Programm gibt, das die gesammelten Daten auswerten kann, hätte dem Senat schon viel früher auffallen müssen.

Auch, dass man für den Betrieb des Systems gute Informatiker braucht. All das hätte der Vorgängersenat im letzten Doppelhaushalt auf den Weg bringen können. Die derzeitige Regierung glänzt aber auch nicht: Sie redet davon, eine „abgespeckte Version“ an den Start zu bringen. Die Schlaglöcher wird’s freuen.