Kommentar

Beim Kampf gegen Kriminalität fehlt ein roter Faden

Nur konstante Präsenz hilft beim Kampf gegen die Kriminalität, meint Alexander Dinger.

Die Polizei im Einsatz

Die Polizei im Einsatz

Foto: Thomas Peise

Bei der Kriminalitätsbekämpfung fehlt in Berlin eine schlüssige Gesamtstrategie. Dass die sinnvoll wäre, zeigen punktuelle Erfolge. Denn überall dort, wo Polizei und Streetworker Präsenz zeigen, haben es Verbrecher schwer. Diese einfache wie logische Erkenntnis kann man an den zehn kriminalitätsbelasteten Orten in der Hauptstadt beobachten. Ob Taschendiebstahl an der Warschauer Brücke, Körperverletzungen im Görlitzer Park oder Ladendiebstahl am Kleinen Tiergarten – die erfassten Delikte stagnieren oder sind rückläufig.

Langfristige Erfolge stellen sich aber nicht durch Hauruck-Aktionen im Scheinwerferlicht ein, sondern sind das Ergebnis langer und mühseliger Arbeit. Und die beginnt schon weit vor den repressiven Maßnahmen der Polizei. Sozialarbeiter müssen gut bezahlt werden und in ausreichender Anzahl in Brennpunkten unterwegs sein. Bauliche Strukturen müssen so verändert werden, dass es keine dunklen Ecken und damit Rückzugsräume für Kriminelle gibt. Ordnungsämter müssen personell so gut ausgestattet sein, dass die Polizei wirklich nur im Notfall alarmiert werden muss – und nicht bei jeder Kleinigkeit.

Berlin braucht aber vor allem eine bezirksübergreifende Strategie, um bei Massendelikten wie Taschendiebstahl, aggressivem Betteln oder Drogenhandel als Einheit aufzutreten. Denn viele vermeintlich kleine Delikte ziehen größere nach sich. Wo aggressiv mit Drogen gehandelt wird, ist der Weg zu Körperverletzungen und Revierkämpfen nicht weit.

Wo Gebiete verwahrlosen, passieren in letzter Konsequenz Kapitalverbrechen, wie der Mord an Susanne F. im Tiergarten zeigt. So weit wäre es nicht gekommen, wenn die Gegend nicht so trostlos wäre, der tatverdächtige Tschetschene abgeschoben worden und die Polizei öfter Streife gelaufen wäre. Alles ist ein Kreislauf, in dem alles zusammenhängt. Frühere Sparorgien bei Ämtern, Polizei und Sozialarbeit wirken sich heute noch aus. Leider.

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