Kommentar

Austausch der alten BVG-Stinker: Nur ein erster Schritt

Die Berliner Verkehrsbetriebe tauschen die alten Busse aus. Doch kann dies nur ein erster Schritt sein, meint Thomas Fülling.

Der rot-rot-grüne Senat in Berlin hat sich zum Ziel gesetzt, die Luft in der Stadt sauberer zu bekommen. Ein ehrenwertes Ziel, sind doch Stickoxide und Feinstaub erwiesenermaßen eine große Gesundheitsgefahr. Doch lange hielt sich der Eindruck, dieses Ziel vor allem durch das Drangsalieren von Handwerkern, Lieferanten und privaten Fahrern von Dieselautos erreichen zu wollen.

Daher ist es richtig, dass der Senat jetzt da Druck macht, wo er selbst in der Verantwortung steht. Dazu gehören etwa die landeseigenen Verkehrsbetriebe. Die rund 1400 BVG-Busse, bis auf vier kleine Ausnahmen allesamt dieselbetrieben, sollen nach Aussagen der Umweltverwaltung für 20 Prozent der Stickoxidbelastungen in der Stadt verantwortlich sein. Dabei erfüllt ein Großteil der Busse bereits jetzt die strengen Euro-5 und Euro-6-Abgasnormen. Rund 200 ältere Fahrzeuge gehören allerdings noch zu den Stinkern und sollen jetzt schnellstmöglich ausgetauscht werden.

Doch kann dies nur ein erster Schritt sein. Auch die vielen Fahrzeuge der Berliner Polizei, Feuerwehr und Behörden liegen bei den Abgaswerten oft längst nicht im grünen Bereich. Diese auszutauschen, würde indes enorme finanzielle Aufwendungen verlangen.

Und während die BVG in Sachen Luftreinhaltung auch dank bereits vorhandener Elektromobilität mit U-Bahn und Tram ein Vorreiter ist, gibt es andere, die bislang von Restriktionen weitgehend verschont werden. Dazu gehören etwa die Sightseeing-Anbieter, die mit teils uralten, von der BVG längst aussortierten Doppeldeckern durch die City touren dürfen. Auch viele Ausflugsschiffe, die auf der Spree an schönen Tagen beinahe im Minutentakt durch die Innenstadt tuckern, sind wahre Dreckschleudern. Es gibt also genug Felder, auf denen die Landesregierung noch etwas für eine saubere und gesunde Luft tun kann, ohne kleine Handwerker und Lieferanten etwa mit Fahrverboten und mehr Tempo 30 zu drangsalieren.

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