Übernahme

Teilverkauf an Lufthansa: Air Berlin ist Geschichte

Die Lufthansa übernimmt 81 Flugzeuge von Air Berlin. Ob das die Konkurrenz belebt, darf bezweifwelt werden, schreibt Christine Richter.

Lufthansa-Chef - Wir unterzeichnen heute Kaufvertrag mit Air Berlin

Die Lufthansa rechnet für Donnerstag mit der Unterzeichnung des Kaufvertrags für gro��e Teile von Air Berlin.
Do, 12.10.2017, 13.13 Uhr

Lufthansa-Chef - Wir unterzeichnen heute Kaufvertrag mit Air Berlin

Beschreibung anzeigen

Es sind traurige Tage in Berlin: Im August meldete Air Berlin, die Fluglinie, die stets an Berlin geglaubt hat, hier ihr Drehkreuz einrichten wollte und Berlin sogar im Namen trug, Insolvenz an. In den Tagen danach ging es ganz schnell bergab. Unzählige Flüge wurden gestrichen, Ersatzflüge gab es nur anfangs, dann gar nicht mehr. Im September meldeten sich zig Piloten gleichzeitig krank, was wiederum zu massiven Ausfällen führte. Zuerst wurden die Langstreckenflüge gestrichen, dann kündigte die Airline an, dass ab 28. Oktober alle Maschinen am Boden bleiben, die für die Zeit danach gebuchten Tickets verfallen – ersatzlos. Traurige Tage – für Air Berlin, für die Kunden, für die rund 8000 Mitarbeiter.

Am Donnerstag ist zu den traurigen Tagen nun ein historischer Tag hinzugekommen. So formulierte es Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Donnerstagmorgen bei seinem Auftritt in einem Berliner Business-Club, bevor er mittags dann für das Unternehmen den Vertrag zur Übernahme von großen Teilen von Air Berlin unterschrieb. So pathetisch es klingt, so recht hat er: Air Berlin ist nun Geschichte, die Lufthansa übernimmt 81 Flugzeuge, zahlt insgesamt 210 Millionen Euro und will 3000 Mitarbeiter einstellen – viele wohl von Air Berlin. Und, so Spohr, die Lufthansa bekenne sich damit auch zu Berlin, der Stadt, wo das Unternehmen einst, im Jahr 1926, gegründet worden war. Das ist wahrlich eine neue Situation, wenn Lufthansa künftig von Berlin aus sehr viel mehr Flüge anbieten will.

Gleichwohl ist der Tag kein Grund zur Freude. Viel zu viele Fragen sind noch ungeklärt. Zum einen muss Brüssel dem Deal erst noch zustimmen. Das wird einige Wochen dauern, vielleicht bis zum Jahresende, vielleicht aber auch länger. Auch die Lufthansa rechnet damit, dass die Übergangsfrist sechs bis neun Monate dauern und es zu "Ruckeleien" kommen wird. Nicht alle Air-Berlin-Maschinen werden einfach weiter fliegen können, es werden in den kommenden Wochen Flüge ausfallen – und die Passagiere müssen schauen, wie sie an ihre Ziele kommen und vor allem: zu welchem Preis. In den vergangenen Wochen waren die Preissteigerungen ja schon spürbar.

Skepsis ist also angebracht, wenn Lufthansa-Chef Spohr jetzt überall verbreitet, er rechne damit, dass sich der Wettbewerb weltweit verschärfen werde und die Preise weiter sinken würden. Und wenn Spohr ankündigt, dass die Billigtochter Eurowings, die die Air-Berlin-Flüge übernehmen soll, innerdeutsch nun neben der Lufthansa fliegen werde und somit ja Konkurrenz bestehen bleibe, dann kann man das nur für einen Scherz halten. Wenn über höhere Ticketpreise mehr Erlöse zu erzielen sind, dann wird Lufthansa nicht darauf verzichten – und sich mit Eurowings doch nicht selbst scharfe Konkurrenz machen. Spohrs Argumentation wird die Kartellbehörden nicht überzeugen und die Aktionäre künftig auch nicht.

Unklar blieb am Donnerstag auch, was mit den vielen anderen Flugzeugen von Air Berlin, mit den vielen anderen Mitarbeitern passiert. Noch wird mit Easyjet verhandelt, auch mit Condor würden noch Gespräche geführt, hieß es. Steigt Easyjet aus, wird es für die Lufthansa kartellrechtlich noch schwieriger, alle von ihr gewollten Slots zu übernehmen.

Air Berlin ist mit dem Tag also Geschichte. Der Name wird bald ganz verschwinden, die Flugzeuge nach und nach umlackiert. Sollte irgendwann der Hauptstadtflughafen BER eröffnen, wird die Lufthansa von dort aus fliegen – als Lufthansa und mit ihren beiden Töchtern Germanwings und Eurowings. Ein Drehkreuz, das wird sie in Berlin nie errichten.

Mehr zum Thema:

Air-Berlin-Übernahme sorgt für ausgedünnten Flugplan

Lufthansa-Chef: Offenhaltung von Tegel wäre Risiko für BER

Air Berlin: Lufthansa zahlt 210 Millionen für Teilübernahme

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.