Hoppegarten

Chaos beim Lollapalooza - Das war fahrlässig

Die Festival-Organisation ist seit Jahren mangelhaft, kritisiert Alexander Dinger.

Tausende Fans strömen am Sonntag zum Lollapalooza

Tausende Fans strömen am Sonntag zum Lollapalooza

Foto: Jens Kalaene / dpa

Dass in der Nacht von Sonnabend zu Sonntag am S-Bahnhof Hoppegarten nicht mehr passiert ist, war Glück. Wenn gleichzeitig mehrere Tausend Menschen auf einen Bahnsteig strömen, kommt es zum Gedränge. Wenn der Bahnsteig wie in Hoppegarten nur über eine schmale Treppe erreichbar ist, wird aus dem Gedränge schnell Lebensgefahr. Dass die Bundespolizei den Bahnhof sehr zum Verdruss der Festivalbesucher sperrte, war die richtige Entscheidung. Damit wurde wahrscheinlich Schlimmeres verhindert.

All das Chaos hätte man aber vorausahnen können. Es war bekannt, dass in Neuenhagen zeitgleich ein Oktoberfest stattfindet und somit bereits volle Bahnen in Hoppegarten ankommen. Es war bekannt, dass die S-Bahn-Linie wegen einer Baustelle nur eingleisig befahrbar ist. Es war bekannt, dass die meisten der 85.000 Besucher mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen würden. Es war bekannt, dass es auch auf der Bundesstraße am Sonnabend wegen einer vor mehr als zwei Monaten angemeldeten Motorrad-Demonstration zu Sperrungen kommen würde.

Das Verkehrskonzept war laut Veranstalter mit Gemeinde, Polizei und Feuerwehr abgestimmt. Die Frage ist die: Gab es bei diesem Prozess eigentlich auch mal jemanden, der die Hand gehoben und Bedenken angemeldet hat? Wie kann es sein, dass die S-Bahn während der Hauptabreisezeit plötzlich den Takt ändert und nur noch stündlich fährt? War es nicht möglich, von Beginn an mehr Shuttle-Busse auf die Straße und Züge mit mehr Waggons auf die Gleise zu schicken?

Dabei hätte man aus der Vergangenheit lernen können. Auch bei früheren Ausgaben des Lollapaloozas, etwa auf dem Tempelhofer Flugfeld, kam es zu langen Wartezeiten, chaotischen Szenen vor den Toiletten und aberwitzig langen Schlangen vor Essens- und Getränkeständen. Viele andere Festivals sind da besser organisiert. Für die kreative Bundeshauptstadt mit all ihren Festen, war das, trotz guter Bands und Konzerte, keine Glanzleistung.

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