Kommentar

Zeit für eine neue Debatte über die Zukunft des Kulturforums

Es lohnt sich, das Kulturforum an der Potsdamer Straße erneut in den Blick zu nehmen, meint Andreas Abel.

Das Kulturforum an der Potsdamer Straße in Berlin

Das Kulturforum an der Potsdamer Straße in Berlin

Foto: Reimer Wulf

Dem Urteil des Kultursenators Klaus Lederer, die städtebauliche Präsenz des Kulturforums sei unbefriedigend, wird wohl kaum jemand widersprechen. Die Aufenthaltsqualität tendiert gegen Null; wer aus der Gemäldegalerie oder der Philharmonie kommt, will nur eines: schnell weg.

Das ist absurd. Dort sind Kultureinrichtungen von internationaler Geltung konzentriert, wie es in Europa nur an wenigen Orten der Fall ist. Doch sie ziehen lediglich als Solitäre Menschen an, nicht als Ensemble. Das Areal liegt mitten in der City, doch es ist als Stadtraum weder gut frequentiert noch bei den Berlinern hoch angesehen.

Der Potsdamer Platz liegt gleich nebenan, doch die Menschen wenden sich Richtung Osten, nicht Richtung Westen. Das nach innen gekehrte Sony-Center und die Potsdamer Straße wirken wie eine Barriere, nicht wie eine Verbindung.

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Landesregierung muss am Ball bleiben

Nun mag mancher einwenden, diese Debatte sei schon oft und über viele Jahre geführt worden, passiert sei aber nichts. Stimmt – sollte aber weder die Stadtgesellschaft noch die politisch Verantwortlichen davon abhalten, sich mit den städtebaulichen und verkehrlichen Problemen am Kulturforum zu beschäftigen. Zumal die Voraussetzungen heute andere sind.

Dort errichtet der Bund das Museum der Moderne, das diesen Bereich neu prägen wird – zumindest, wenn der Bau das hält, was der Entwurf verspricht. Er erfordert auch eine neue Gestaltung der Freiräume. Das heißt, diesmal geht es nicht darum, Pläne für den Archivschrank zu produzieren, einer davon muss umgesetzt werden.

Zweitens haben wir eine Regierungskoalition, die bereit ist, über die Zukunft der Potsdamer Straße zu diskutieren und dort den Bau einer Straßenbahnlinie in Erwägung zieht. Das kann man bedrohlich oder wünschenswert finden, auf jeden Fall ist es eine Einladung, sich an der Debatte zu beteiligen. Und schließlich hat ein Senator selbst die Debatte wieder angestoßen, also ein Verantwortungsträger. Nun muss die Landesregierung am Ball bleiben.

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