Anschlag auf S-Bahn

Keine Kapitalismuskritiker, einfach nur Straftäter

G20-Gegner greifen bundesweit die Bahn an. Für solche Taten gibt es keinerlei Legitimation, konstatiert Thomas Fülling.

Sperrung am Treptower Park

Sperrung am Treptower Park

Foto: Paul Zinken / dpa

Was für eine perfide Logik: Da werden hehre politische Ziele wie die Weltgerechtigkeit und das Wohl von Menschen in Afrika bemüht, um gleichzeitig Menschen im eigenen Land akuten Gefahren für Leben und Gesundheit auszusetzen. Als nichts anderes sind die Anschläge zu bewerten, die am frühen Montagmorgen gleich in mehreren Teilen Deutschlands auf Bahnanlagen, darunter auch auf die der Berliner S-Bahn, verübt worden sind.

Um es klar zu sagen: Es gibt nicht mal im Ansatz eine politische oder gar moralische Legitimation für solche Taten. Denn keiner von denjenigen, die da im Schutz der Dunkelheit bundesweit ihre Brandsätze zündeten, konnte wirklich einschätzen, was er damit konkret anrichten wird. Gezielt haben sie dabei auch Einrichtungen der Bahn getroffen, die explizit der Sicherheit der Fahrzeuge und der darin sitzenden Fahrgäste dienen. Im schlimmsten Fall kann es dadurch passieren, dass Züge entgleisen oder sie ungebremst aufeinander zufahren. Welche Folge das haben kann, war im Februar 2016 in Bad Aiblingen zu erleben, als zwei Personenzüge zusammenstießen. Zwölf Menschen verloren damals ihr Leben.

Was damals der Fahrlässigkeit eines Fahrdienstleiters geschuldet war, könnte heute Ergebnis eines bewusst herbeigeführten Technikausfalls sein. Genau das sollten sich all diejenigen vor Augen führen, die ganz offen oder eher im Stillen Sympathien für die Brandstifter hegen. Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Es ist völlig legitim, den heutigen Kapitalismus im Allgemeinen und den G20-Gipfel im Konkreten einer kritischen Bewertung zu unterziehen. Auch öffentlicher Protest dagegen muss möglich sein und ist im Übrigen durch das Grundgesetz ausdrücklich legitimiert. Doch weder an den Bahngleisen am Treptower Park noch an der Rigaer Straße in Friedrichshain agieren derzeit mutige Kapitalismuskritiker, sondern einfach nur Straftäter, die zu Recht als solche verfolgt werden.

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