Modularbauten

Wenn Flüchtlinge zu Nachbarn werden

Bei der Flüchtlingsunterbringung in Berlin geht es voran - langsam zwar, aber immerhin, meint Andreas Abel.

Katrin Lompscher (Die Linke), Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, besucht die erste Berliner Flüchtlingsunterkunft in modularer Bauweise (Archivbild)

Katrin Lompscher (Die Linke), Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, besucht die erste Berliner Flüchtlingsunterkunft in modularer Bauweise (Archivbild)

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Es geht voran mit der Flüchtlingsunterbringung in Berlin – langsamer als ursprünglich gedacht, aber immerhin. Noch leben 10.000 Menschen in teilweise prekären Notunterkünften. Und auch die rot-rot-grüne Landesregierung musste feststellen, dass Planungstermine nicht immer eingehalten werden können und der Teufel im Detail steckt. Insbesondere bei den sinnigerweise "Tempohomes" genannten Containerquartieren kam es zu Verzögerungen. Mal waren Baumängel Schuld, mal die komplizierte Erschließung der Grundstücke. Bisweilen machten auch Lärm- oder Artenschutz den Bauarbeitern einen Strich durch die Rechnung. Aber es bewegt sich etwas.

Bei den Flüchtlingsunterkünften, die in Modular-, also in Fertigteilbauweise entstehen, werden auch nicht alle genannten Fertigstellungstermine gehalten werden können. Dennoch ist das Konzept, vor allem auf diese Unterkünfte zu setzen, richtig. Sie sind hochwertiger als die Containerquartiere und haben eine erheblich höhere Lebensdauer. Das ermöglicht, sie später auch anderen Nutzern – Studenten oder Wohnungslosen zum Beispiel – zur Verfügung zu stellen.

Der Senat hat bereits umgesteuert und plant nun den Bedarf an Unterkunftsplätzen für Flüchtlinge und Wohnungslose gemeinsam. Das ist folgerichtig – anerkannte Flüchtlinge sind ja zunächst nichts anderes als Wohnungslose. Und es lässt nicht den Vorwurf aufkommen, die Verwaltung spiele unterschiedliche Bedürftige gegeneinander aus. Es gibt sogar Überlegungen, irgendwann Flüchtlinge und Wohnungslose oder Studenten gemeinsam in einer Modularunterkunft unterzubringen. Das klingt verwegen, und natürlich kann es nicht ohne gute Vorbereitung und betreuende Begleitung funktionieren. Aber das Experiment wäre es wert. Berlin braucht gemischte Nachbarschaften, um seine Weltoffenheit und seinen Charme zu bewahren. Die Integration der Flüchtlinge ist dabei große Aufgabe und Chance zugleich.

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