Kommentar

Krise bei Air Berlin - Entschieden wird woanders

Bei der taumelnden Fluggesellschaft Air Berlin geht es nur noch um Zeitgewinn zur Übernahme, meint Joachim Fahrun.

Flugzeuge der Fluggesellschaft Air Berlin

Flugzeuge der Fluggesellschaft Air Berlin

Foto: Bernd Thissen / dpa

Air Berlin ist schon ein ganz besonderes Unternehmen. Da fliegt die Gesellschaft fast 800 Millionen Euro Verlust ein, aber die Anteilseigner scheint das kaum zu berühren. Stattdessen loben sie den neuen Chef Thomas Winkelmann und schwören die Treue zu der Airline, wie es am Mittwoch bei der Hauptversammlung in London zu hören war. Auch das Management nimmt den Mund reichlich voll angesichts des Chaos, das in den vergangenen Wochen bei Air Berlin herrschte. Es verkündet das Ende der Krise und sagt operative Gewinne für das nächste Jahr voraus. Winkelmanns Vorgänger hielten es in den letzten Katastrophen-Jahren ebenso.

Tatsächlich aber steckt ein wahrer Kern in den Aussagen. Operativ ist Air Berlin, von der jüngsten Krise einmal abgesehen, nicht so schlecht aufgestellt. Die neue Strategie einer Netzwerk-Airline mit innerdeutschen und innereuropäischen Zubringerflügen zu den Interkontinentalverbindungen halten viele Experten für erfolgversprechend. Ohne die horrenden Altlasten einer überstürzten Expansionspolitik kann das Air-Berlin-Geschäft durchaus funktionieren. Das weiß auch die Lufthansa, die sich nicht umsonst darum bemüht, möglichst viel Geschäft ihres ehemaligen Herausforderers zu übernehmen.

Es geht darum, Zeit zu gewinnen, bis eine komplizierte Übernahmelösung ausverhandelt ist. Die Bitte um Landesbürgschaften dürfte vor allem dazu gedient haben, der Branche und der Politik den Ernst der Lage zu verdeutlichen. Dass Berlin nicht daran denkt, der Air Berlin im jetzigen Zustand Kredite mit Steuergeld abzusichern, ist kaum entscheidend. Offiziell gibt es eine solche Aussage sowieso nicht. Es wird geprüft, heißt es. Das kann dauern. Aber über das Überleben der Aktivitäten und der Jobs, die bisher unter Air Berlin laufen, wird ohnehin in Frankfurt und Abu Dhabi entschieden, bei der Lufthansa und dem Großaktionär Etihad.

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