Kommentar

Bei der BSR herrscht dicke Luft

BSR-Chefin Wielgoß will die Begünstigungen für Personalräte unter die Lupe nehmen lassen. Richtig so, meint Joachim Fahrun.

Wer erinnert sich nicht an die Geschichten aus dem VW-Konzern? Lustreisen für Betriebsräte, hohe, unbegründete Zahlungen an Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat und als Gegenleistung für solche Großzügigkeit des Vorstandes eine ziemlich zahme Belegschaftsvertretung. „Betriebsratsbegünstigung“ ist nicht umsonst ein Straftatbestand, denn natürlich soll es ausgeschlossen sein, dass ein Management sich das Wohlwollen einzelner Arbeitnehmervertreter quasi erkauft. So sollte Mitbestimmung nicht aussehen. Der VW-Aufsichtsratschef musste 2008 sogar ins Gefängnis.

Natürlich ist die Lage bei der Berliner Stadtreinigung nicht so schlimm wie in Wolfsburg vor zehn Jahren. Aber auch bei der BSR herrscht wie bei VW eine ganz besondere Unternehmenskultur. Die Vertreter der mehr als 5000 Müllwerker, Straßenkehrer und Verwaltungsmitarbeiter nehmen von jeher eine starke Stellung ein. Und angesichts des Bedrohungspotenzials einer streikenden Müllabfuhr tut jede Kommunalpolitik gut daran, es sich nicht mit den Männern in Orange zu verscherzen.

Gegen eine gute Kooperation zwischen Vorstand und Arbeitnehmervertretern ist nichts einzuwenden. Wohl aber dagegen, dass es in einem durch den Gebührenzahler finanzierten Unternehmen Begünstigungen für Personalräte gibt, die womöglich das rechtlich Zulässige und das praktisch Gebotene übersteigen. Das ist nicht gut für den Betriebsfrieden, auf den die Stadt und die BSR selbst angesichts kommender Aufgaben angewiesen ist. BSR-Chefin Tanja Wielgoß lässt diese Grauzone unter die Lupe nehmen. Das liegt im Interesse der Stadt und der Gebührenzahler, auch wenn die frühere Unternehmensberaterin dabei bisweilen nicht den BSR-üblichen Ton trifft. Viele Arbeitnehmervertreter wollen sie dafür ablösen. Das spricht nicht dafür, dass sie das Wohl des Unternehmens und seiner Belegschaft vor ihr eigenes stellen.

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