Kommentar

Kita-Bildungsprogramm: Grauzone in den Einrichtungen

Der Senat nimmt jetzt Zusatzangebote unter die Lupe. In Kitas darf es kein Zwei-Klassen-System geben, meint Andreas Abel.

Cute little girl sitting in teacher's lap in kindergarten and reading a story while the other children are playing. Erzieher Erzieherin Kindergarten Kita

Cute little girl sitting in teacher's lap in kindergarten and reading a story while the other children are playing. Erzieher Erzieherin Kindergarten Kita

Foto: skynesher / Getty Images

Die Regierungskoalition lobt das Kita-Bildungsprogramm, es ermögliche eine gute Förderung aller Kinder. Viele Eltern sehen das nicht so, möchten ihrem Nachwuchs den Weg ins Leben noch besser ebnen und sind bereit, für zusätzliche Betreuungsangebote auch zu zahlen. Fremdsprachenkurse, Ballett, Musizieren mit Profis – es gibt kaum etwas, was es nicht gibt, stöhnen Insider. Und inzwischen gibt es eben auch Kita-Träger, die nicht auf Elternwünsche reagieren, sondern selbst Zusatzangebote vorgeben und dafür ordentlich Geld verlangen. Transparenz ist dabei nicht immer oberstes Gebot. Die Eltern spielen mit, oft bleibt ihnen angesichts des Kitaplatzmangels in vielen Kiezen auch gar nichts anderes übrig. Wer da aus finanziellen Gründen nicht mithalten kann, ist dumm dran.

Es ist richtig, dass sich die Senatsjugendverwaltung der Sache annimmt und ein paar Barrieren einziehen will. Immerhin sind alle Kitas, die Zusatzangebote machen, öffentlich gefördert. Und alle bekommen dieselbe Förderung. In Kitas darf es kein Zwei-Klassen-System geben – und versteckte Zweitgebühren auch nicht. Andererseits sollte jetzt auch kein Regelwerk eingeführt werden, das alle Aktivitäten mit der großen bürokratischen Klatsche erstickt. Ein gemeinsames Frühstück in der Kita zum Beispiel sollte ohne Genehmigungstamtam der Verwaltung möglich sein, und eine kleine Ausflugskasse macht auch Sinn.

Der Landeselternausschuss hat vorgeschlagen, erst einmal Daten zusammenzustellen, was alles wo angeboten wird und zu welchen Preisen. Um sich dann mit der Verwaltung und Kita-Trägern in einer Arbeitsgruppe zusammenzusetzen und einen Konsens auszuloten. Das klingt vernünftig. Jugendsenatorin Sandra Scheeres möchte einen Senatsbeschluss noch vor der Sommerpause und ein neues Gesetz bis Jahresende. Mit der AG dauerte es wahrscheinlich etwas länger. Aber es würde sich wahrscheinlich lohnen.

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